Homepage der Evangelischen Akademie Baden
Herzlich willkommenHomepage der Evangelischen Akademie Baden in Bad Herrenalb
   
   
powered by FreeFind
   

Brücken bauen zwischen Theologie und Naturwissenschaften

 

Der Theologe Dirk Evers ist der Akademiepreisträger 2009

 

 

Karlsruhe/Bad Herrenalb. Dem Tübinger systematischen Theologen PD Dr. Dirk Evers (47) ist am Sonntag, den 11. Oktober 2009 in der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb der Bad Herrenalber Akademiepreis 2009 verliehen worden. Gewürdigt wurde damit sein Beitrag "Gotteswahn? Religionsbeschimpfung im Kleid der Wissenschaft", den er auf einer Akademietagung zum Thema „Freiheit der Kultur und Grenzen der Blasphemie“ hielt. Er setzt sich darin mit dem Bestseller „Der Gotteswahn“ des britischen Biologen und Publizisten Richard auseinander, der mit seiner Kritik am Kreationismus im Grunde jede Form von Religiosität der Lächerlichkeit preiszugeben versucht. Der Kreationismus ist eine theologisch fundamentalistische Glaubensrichtung, die ein wörtliches Verständnis der Schöpfungsgeschichte in Genesis 1 proklamiert und daher an eine Erschaffung der Erde in sechs Tagen glaubt.

Der mit 2000 EUR dotierte Preis wird seit 1992 alljährlich vom Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden e.V. an den Autor eines herausragenden Vortrages aus den Tagungen der Akademie verliehen, der „das Gespräch insbesondere zwischen Theologie und anderen Wissenschaften fördert“, so Professor Dr. Hermann H. Hahn (Karlsruhe), Vorsitzender des Freundeskreises bei der Preisverleihung.

 

Akademiedirketor Siegfried Strobel
PD Dr. Dirk Evers

Argumentativ geführter Dialog

Die „besondere Qualität der Arbeiten von Evers“, so Akademiedirektor Dr. Jan Badewien (Karlsruhe) in seiner Laudatio, sei sein „steter Hinweis auf die Notwendigkeit eines argumentativ geführten Dialogs mit den Naturwissenschaften unter Wahrung eines klaren christlichen Standpunkts“. Der Preisträger zeige in seinen Arbeiten, „wie Theologie und Naturwissenschaften jeweils für den anderen eine kritische Funktion haben“. Während Theologie eine „praktische Orientierungsdisziplin“ sei, mahne die Naturwissenschaft, offen zu bleiben für die Vielfalt der Phänomene und für widersprüchliche Deutungen der Welt. Wo die Naturwissenschaft eigene Weltbilder entwickle, verlasse sie ihren eigentlichen Fachdiskurs und begebe sich auf eine Ebene, wo sie ihrem Wissenschaftsanspruch nicht mehr gerecht wird. Aber auch die Theologie solle sich davor hüten, der fundamentalistischen Versuchung zu unterliegen und die „Ausdifferenzierung in Ethos, Recht, Politik, Wissenschaft und Religion rückgängig machen zu wollen“.

 

Zufall und Notwendigkeit

Evers bezeichnete in seinem Festvortrag zum Thema "Zwischen Zufall und Notwendigkeit" Naturwissenschaften und Theologie als „Denkbewegungen, die mitten in unserer Wirklichkeit beginnen und nach Orientierung suchen“. Die Naturwissenschaften würden nach verlässlich erwartbaren Regelmäßigkeiten suchen und diese vom Zufall abheben. Dies geschehe insbesondere durch Experimente und Mathematik, dabei würden Dimensionen unserer Wirklichkeit wie Freiheit und Lebenssinn aus der Beschreibung herausfallen – die Welt werde gleichsam entzaubert. Religion, Glauben und Theologie hingegen suchten das „Dazwischen“ zu beschreiben mit seinem Ineinander von Beherrschbarem und Kontingentem.

Verleihung des Bad Herrenalber Akademiepreises 2009
PD Dr. Dirk Evers mit Frau, Prof. Dr. Hermann H. Hahn,
OKR Dr. Matthias Kreplin mit Frau und der Bad Herrenalber
Bürgermeister Norbert Mai

Dies geschehe durch Erzählungen und Beschreibungen, „durch die uns Gott als das Geheimnis der Wirklichkeit auf unserer Menschsein anspricht“. Evers vertrat die Auffassung, dass unser Menschsein „nur gewinnen kann, wenn wir beide Denk- und Lebensbewegungen zusammenbringen“.

Evers betonte, dass das Leben nicht gleichgültig gegenüber sich selbst ist. Aus theologischer Sicht sei Schöpfung das Ineinander von Zufall und Notwendigkeit. Es gebe "weder einen Masterplan noch ein beliebiges Chaos". Relglion und Glauben seien ein Versuch, "den Lebenssinn über das Feststellbare von Zufall und Notwendigkeit hinaus zu finden".

 

Zur Person

Evers wurde 1962 in Bielefeld geboren, er studierte Evangelische Theologie an den Universitäten Münster und Tübingen sowie am Tamilnadu Theological Seminary, Madurai (Südindien). 1994-2005 war er Kirchlicher Assistent am Evangelischen Stift Tübingen bei Prof. Dr. Eberhard Jüngel. Lehrauftrag an der Evangelischen Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Er promovierte 1999 zum Thema „Raum ‑ Materie ‑ Zeit. Schöpfungstheologie im Dialog mit naturwissenschaftlicher Kosmologie“ und veröffentlichte 2005 seine Habilitationsschrift: „Gott und mögliche Welten. Studien zur Logik theologischer Aussagen über das Mögliche“. Seit 2005 ist er Forschungs- und Studieninspektor am FORUM SCIENTIARUM der Universität Tübingen und Privatdozent für Systematische Theologie.

 

Veröffentlichungen (in Auswahl)

  • Raum – Materie – Zeit. Schöpfungstheologie im Dialog mit naturwissenschaftlicher Kosmologie (Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie 41), Tübingen 2000 (Mohr Siebeck) [Dissertation, ESSSAT-Preis 2002]

  • Gott und mögliche Welten. Studien zur Logik theologischer Aussagen über das Mögliche (Religion in Philosophy and Theology 20), Tübingen 2006 (Mohr Siebeck)] [Habilitationsschrift]

  • Der prämierte Beitrag "Gotteswahn? Religionsbeschimpfung im Kleid der Wissenschaft" wurde 2009 als Band 203 in der Reihe EZW-Texte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin veröffentlicht. Dokumentiert wird darin die von der Evangelischen Akademie 2008 durchgeführte Tagung zum Thema „Religionsbeschimpfung. Freiheit der Kultur und Grenzen der Blasphemie“. Das Thema wird aus rechtlichen, religionswissenschaftlichen, kulturtheoretischen und theologisch-systematischen Perspektiven behandelt.

Der prämierte Beitrag und die Beiträge zum Bad Herrenalber Akademiepreis sollen in der Reihe Herrenalber Forum veröffentlicht werden.

Mehr zur Person und ausführliche Veröffentlichungsliste: http://homepages.uni-tuebingen.de/dirk.evers/

 

 

Ralf Stieber, Karlsruhe, 12. Oktober 2009

 
. © Evangelische Akademie Baden