Kapelle im Haus der Kirche Evangelische Akademie BadenZwischen Tradition und Innovation |
I. Der Raum Die Kapelle im Haus der Kirche - Evangelische Akademie Baden (Bad Herrenalb) wurde mit dem Umbau der Tagungsstätte 1995 1997 gleichfalls neu gestaltet. Die künstlerische Ausgestaltung der Kapelle wurde dabei zu den architektonischen Vorgaben von Kirchenbaudirektor Horst Wein (Karlsruhe) in Beziehung gesetzt. Diese waren bestimmt durch die aus Kostengründen erforderliche Beibehaltung der Mauern der früheren Kapelle. Das Pultdach nimmt die Architektur des Hauptgebäudes in der Gesamtanlage der Tagungsstätte auf. Das ermöglichte, einen Obergaden als Lichtquelle für den Gesamtraum und die Trägerkonstruktion für das Dach sichtbar und dabei leicht zu gestalten. So vermittelt die Kapelle den Eindruck von Moderne und führt in eine Welt, die dem Besucher aus der Arbeitswelt industrieller Gebäude vertraut ist. Der Gesamtraum wirkt mit seinen kühlen Farben entmaterialisiert transzendent als Gegenraum zu den übrigen Räumen des Hauses, die in warmen Farben gehalten sind. Wird in diesem gottesdienstlichen Raum nur Gewohntes und Gemütliches gesagt und erlebt werden oder vermitteln Architektur und Farbe vielleicht eine Frische, die Menschen mit neuer Spannung hören lässt?
II. Die Fenster Mit der Gestaltung der Glasfenster wurde Johannes B. Hewel, Jahrgang 1947, beauftragt; Schüler und Nachfolger auf dem Lehrstuhl des Hans Gottfried von Stockhausen an der Kunstakademie Stuttgart. Der Glaskünstler hat sich vor allem mit den 37 Fenstern im Obergaden auf die Architektur des Raumes eingestellt. 1. Hewel verwendet in der Tradition seiner Kunstrichtung Antikglas, aber auch und bewusst Industrieglas, ein Alltagsgut unserer Zeit. Er stellt Materialien der modernen Arbeitswelt in den Dienst liturgischer Aussage. Bei der Gestaltung der Motive arbeitet Hewel mit sehr unterschiedlichen Techniken: Malerei in Siebdruck, Airbrush eingebrannt, Mattierung und plastische Ausarbeitung durch Sandstrahl. Hewel zählt, auch international, zu den bekanntesten Künstlern im Bereich heutiger Glasbildnerei.
Kommunikation Motiv für einen Ort, an dem Begegnung von Menschen mit Gottes Wirklichkeit angesagt ist. Dem Betrachter, zum Assoziieren angeregt, wird deutlich, dass die Figuren aufeinander bezogen sind. Es sind nicht notwendigerweise Menschengestalten eine von ihnen berührt nicht den Boden, ist etwas erhöht. Verkündigung an Maria oder der Besuch der Engel bei Abraham? Mit den Figuren könnte aber auch Kommunikation zwischen Gruppierungen in Kirche und Gesellschaft und damit ein Austausch von Überzeugungen dargestellt sein. Vielleicht sind es aber doch auch einfach Menschen, die wie Nikodemus und Jesus miteinander sprechen; oder die Begegnung in Emmaus. Vielleicht aber auch Menschen von heute, die miteinander das Heilige Abendmahl der Altartisch nimmt Maß und Form vom Tisch im Relief auf feiern. Über den Figuren liegt die nicht voll sichtbare, aber doch immer in ihrer Vollkommenheit vorhandene Fülle von Gottes Gnade oder sind es doch: Sterne und der halbe Mond?
3. Dieses Grundmotiv kehrt wieder in den gelben Fenstern in der Wand links und in dem rötlich gehaltenen Fenster auf der Empore dem Fenster mit der Nachricht nach draußen, in die Tagungsstätte hinein; beide Fenster haben das gleiche Maß wie das Altarrelief. Sie verbinden, mittelalterlich anmutend, mehrere Bilder miteinander: Die Linien, Zweige, Blüten aus dem Altarrelief werden wieder aufgenommen, werden zu eigenen Bildern entfaltet.
Diese Symbole werden auch in den Fenstern im Obergaden aufgenommen. Dort erschließt sich dem Betrachter vor allem der Vierpass in der Fülle von Farben und Lichtspiel. Die Vierpässe erinnern, gewollt oder nicht, an die gotischen Dome, erinnern daran, dass in dieser Kapelle in Bad Herrenalb das gleiche Evangelium verkündigt wird wie seit fast tausend Jahren in der Klosterkirche unten im Ort. Sie erinnern daran, dass wir eingebunden sind in die Geschichte des christlichen Abendlandes und damit in die Gemeinde Gottes weltweit. Der Vierpass begegnet uns als Ganzes, in Teilen, in Punkten, in Positiv- und Negativformen, in Farbe und vor allem in dem rechten Obergadenfenster in Nicht-Farbe. Neben diesen Zeichen aus der Vergangenheit Zeichen der Gegenwart: Zeichen für den Menschen in der Fülle seiner Beziehungen, Bilder auch des vereinsamten Menschen. Zeichen von Heil und von Zerstörung.
III. Die Orgel
IV. Die plastischen bildnerischen Elemente
2. Das Standkreuz knüpft an Geschichte und Tradition des Gesamthauses an. Das Kruzifix, möglicherweise noch aus dem ursprünglichen Haus Charlottenruhe, hatte schon in der allerersten Kapelle an der Altarwand gehangen. Für den nunmehr größeren Raum konnte es erhöht werden und exponiert im Mittelpunkt der Kapelle Raum und Aussage finden. Zeichen, in wessen Namen sich Menschen hier versammeln. Man kann hingehen, betrachten, Einzelheiten wahrnehmen Christus mitten unter uns.
4. Diese Funktion hat jetzt als Inschrift über der Kapellentür ein Wort des Propheten Jesaja übernommen; es ist das Wort für den Sonntag, an dem die Kapelle im Januar 1997 wieder eingeweiht wurde: ... die Herrlichkeit des Herrn geht auf über Dir. |
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