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Faire Auslegung der Bibel im Sinne von Frauen und Männern
Katholische Theologin erhält den Herrenalber Akademiepreis 2003
Akademiepreis

Preisträger Irmtraud Fischer
Bild: Professorin Dr. Irmtraud Fischer

Karlsruhe. Die Österreicherin Irmtraud Fischer (45), Inhaberin des Lehrstuhls für Altes Testament und Theologische Frauenforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn erhält den mit 2000 EUR dotierten Bad Herrenalber Akademiepreis 2003. Dies gab der Vorstand des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden bekannt, der einmal jährlich den Akademiepreis vergibt. Gewürdigt wird damit Fischers Beitrag „Geschlechterfaire Auslegung der Erzeltern–Erzählungen der Genesis“, den die katholische Theologin im Rahmen einer Vortragsreihe der Evangelischen Akademie Baden mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe gehalten hatte. Der Akademiepreis wurde am Sonntag, den 19. Oktober 2003 in Bad Herrenalb verliehen.

In dem gewürdigten Beitrag zeigt Fischer, dass auch in der Theologie die Bildung von Forschungstheorien eng „mit der jeweiligen Konstruktion der Geschlechter verknüpft ist“. Entsprechend dem traditionellen Muster abendländisch-westlicher Kultur wird nur dem männlichen Geschlecht öffentliche Relevanz zugebilligt, während Frauen „über Privatheit“ definiert werden. Fischers Plädoyer für einen „geschlechterfairer Forschungsansatz“ begründet ein weites Spektrum an Möglichkeiten, die Bibel neu auszulegen. So wird es höchst fragwürdig, die Frauen- und Männergestalten in biblischen Texten mit zweierlei Maß für die Geschlechter zu bewerten. Terminologieprägend spricht Fischer beispielsweise von den „Erzeltern Israels“, wo früher von Erz-Vätern und Patriarchen die Rede war.

Irmtraud Fischer wurde am 14. Juni 1957 in Bad Aussee (Österreich) geboren, nach der Ausbildung zur Volksschullehrerin Studium der Katholischen Theologie an der Karl Franzens-Universität Graz; 1982 Magisterium; 1983-94 Universitätsassistentin am Institut für alttestamentliche Bibelwissenschaft; 1988 Promotion; 1993 Habilitation; 1993 Gastprofessur an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Marburg an der Lahn; 1993-99 Mitglied der Redaktion (Sektion feministische Theologie) der Internationalen Zeitschrift Concilium; 1994-97 Assistenzprofessorin (später AO Prof.) an der Karl Franzens-Universität Graz; 1995 Gastprofessur an der Katholisch-theologischen Fakultät Wien; 1995/96 Friedrich von Spee Stiftungsprofessur an der Katholisch-theologischen Fakultät Bamberg; seit 1997 ordentliche Professorin für Altes Testament und Theologische Frauenforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät Bonn; seit 1997 Herausgeberin der Reihe Exegese in unserer Zeit; 1998 Berufung in den Übersetzungskreis der Zürcher Bibel; seit 1999 verantwortlich für die AG Frauenforschung an der Universität Bonn; seit 2000 Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Jahrbuch für biblische Theologie, seit 2001 Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR), 2002 Berufung in den Beirat für das Übersetzungsprojekt „Die Bibel in geschlechtergerechter Sprache“ Stellvertretende Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Alttestamentler und Alttestamentlerinnen des deutschen Sprachraumes“.

Die Theologin hat elementare Beiträge zur theologischen Frauenforschung veröffentlicht: Gottesstreiterinnen. Biblische Erzählungen über die Anfänge Israels (Stuttgart 1995), Tora für Israel - Tora für die Völker. Das Konzept des Jesajabuches (Stuttgart 1995), Rut, HThK.AT (Freiburg i. Br. 2001), Gotteskünderinnen. Zu einer geschlechter-fairen Deutung der Prophetie in der Hebräischen Bibel (Stuttgart 2002).

Die Preisträgerin dankt dem Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden für die Verleihung des Akademiepreises mit der Widmung des Bandes "Irmtraud Fischer: Gender-faire Exegese. Gesammelte Beiträge zur Reflexion des Genderbias und seiner Auswirkungen in der Übersetzung und Auslegung von biblischen Texte (= Exegese in unserer Zeit Band 14), Münster: LIT-Verlag 2004. Die Publikation konnte mit den Geldern des Akademiepreises gedruckt werden.


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