Bad Herrenalber Akademiepreis 2008

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Ein wichtiger Beitrag zur Erhellung der jüngeren bundesdeutschen Geschichte

Der Historiker Andreas Kossert erhält den Bad Herrenalber Akademiepreis 2008

Karlsruhe/Bad Herrenalb. Der Historiker und Buchautor Dr. Andreas Kossert (Warschau) erhält den mit 2000 EUR dotierten Bad Herrenalber Akademiepreis 2008. Gewürdigt wird damit Kosserts Beitrag "Die Vertriebenen zwischen Abschied und Ankunft. Die Geschichte eines politischen Drahtseilaktes" zur Tagung "Flucht und Vertreibung" der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb.

Der Beitrag verdeutliche, so Prof. Dr. Hermann H. Hahn (Karlsruhe), Vorsitzender des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e. V., "auf eindrückliche Weise die doppelte Traumatisierung, die die Vertriebenen erfuhren: Zunächst durch den Verlust der Heimat, sodann durch die Erfahrung, in der neuen Heimat

Andreas Kossert, Foto (Copyright: Sebastian Pfütze, Berlin)

nicht willkommen zu sein". Kossert leiste "einen wichtigen Beitrag zur Erhellung der jüngeren bundesdeutschen Geschichte". Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 19. Oktober in der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb statt. Im Rahmen der öffentlichen  Preisverleihung spricht Kossert zum Thema ″Gelungene Integration? Die Vertriebenen und die bundesrepublikanische Wirklichkeit″. Bereits am 5. Oktober 2008 wird Kossert in Berlin der Georg Dehio-Buchpreis 2008 für sein Buch "Ostpreußen. Geschichte und Mythos" verliehen. Kosserts Beitrag ist eine Quintessenz des bei Siedler erschienen Buches "Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945". Darin bricht Kossert ein bundesdeutsches Tabu, indem er den Mythos der rundum geglückten Integration der Vertriebenen nach 1945 hinterfragt. Er zeichnet ein wirklichkeitsgetreues Bild von den schwierigen Lebensumständen der Menschen im "Wirtschaftswunderland". Kossert hat die schwierige Ankunftsgeschichte der Vertriebenen umfassend erforscht und beleuchtet erstmals diesen blinden Fleck im Bewusstsein der deutschen Nachkriegsgeschichte. In seinem Buch beschreibt er eindrucksvoll die Erfahrungen derjenigen, die durch den Krieg entwurzelt wurden und immense Verluste erlitten haben, und fragt nach den materiellen und seelischen Folgen für die Vertrieben und deren Nachkommen.

Zur Person

Andreas Kossert wurde 1970 in Hannoversch Münden geboren. Nach dem Abitur studierte er Geschichte, Politikwissenschaft und Slawistik in Freiburg im Breisgau, Edinburgh (Schottland), Bonn und an der FU Berlin. Dort schrieb er 1996 seine Magisterarbeit zum Thema “Die Masuren im Spannungsverhältnis des deutsch-polnischen Konflikts der Zwischenkriegszeit (1919-1939)” und promovierte 1999 mit einer Arbeit über “Preußen, Deutsche oder Polen? Die Masuren im Spannungsfeld des ethnischen Nationalismus 1870-1956″. Seit 2001 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Warschau, wo er unter anderem für die Redaktion der Publikationsreihe “Klio in Polen” (polnisch-deutsche Übersetzungsreihe des DHI Warschau) sowie der “Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau” und die Organisation der Vortragsreihe “Colloquia Varsoviensia” verantwortlich ist. Im Sommersemester 2007 war er als Gastprofessor für Polnische Landes- und Kulturstudien an der Technischen Universität Dresden tätig. In seinem aktuellen Forschungsprojekt “Das Gelobte Land” untersucht er Religion und Ethnizität in den urbanen Zentren Manchester und Lodz in der Zeit von 1820-1914.

Buchveröffentlichungen (in Auswahl)

Damals in Ostpreußen. Der Untergang einer deutschen Provinz, München 2008;
Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, München 2008;
Ostpreußen. Geschichte und Mythos, Berlin 2005;
Masuren. Ostpreußens vergessener Süden, Berlin 2001.

Akademiepreis

Der Freundeskreis der Akademie fördert mit dem seit 1992 verliehenen Bad Herrenalber Akademiepreis Autoren, deren Beiträge in besonderer Weise den Zielen kirchlicher Akademien entsprechen, "indem sie das Gespräch, insbesondere zwischen Theologie und anderen Wissenschaften fördern und zur Orientierung helfen".

 

Ralf Stieber, Karlsruhe, 2. Oktober 2008

 


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