Abbau nationaler Mythen zugunsten deutsch-polnischer VerständigungFreiburger Historiker erhält den Bad Herrenalber Akademiepreis 1998 |
Bernd Martin, Professor am Historischen Seminar der Universität Freiburg, erhält den Bad Herrenalber Akademiepreis 1998. Die Jury des "Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e. V." würdigt damit den Akademievortrag "Masuren - Mythos und Geschichte", den Martin auf der Tagung "Masuren - Brücke zwischen Deutschland und Polen" im vergangenen Jahr hielt. Der Vortrag, der soeben auch in einem gleichnamigen Buch veröffentlicht wurde, füllt eine Lücke in der zeitgenössischen Geschichtswissenschaft. Er steht in der Tradition der Vertriebenengedenkschrift der EKD, indem er einen Beitrag zur deutsch-polnischen Versöhnung leisten will. Martins Anliegen ist es seinen eigenen Worten zufolge, "nationale Mythen im Zuge einer deutsch-polnischen Verständigung weiter abzubauen und das Schicksal einer Volksgruppe in das gemeinsame Gedächtnis zurückzurufen, für deren U ntergang beide Seiten eine gemeinsame Verantwortung tragen". Die mit 3000 DM dotierte Auszeichnung soll am 26. Juli dieses Jahres in der Akademie in Bad Herrenalb verliehen werden.
Bernd Martin wurde 1940 in Berlin geboren. Seit 1976 ist Martin Professor am Historischen Seminar der Universität Freiburg. Er führt seit 1990 regelmäßig Exkursionen zur polnischen Geschichte und zum deutsch-polnischen Verhältnis durch. Im Sommer 1996 leitete er zusammen mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften die erste deutsch-polnische Konferenz zum Warschauer Aufstand 1944 in Karwica/Masuren.
Seine Hauptinteressengebiete und Forschungsfelder sind die neueste deutsche Geschichte, die Geschichte der internationalen Beziehungen im 20. Jahrhundert, aber auch die Geschichte des modernen Ostasien, insbesondere Japans und Chinas. Martin hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur deutschen und ostasiatischen Zeitgeschichte veröffentlicht, u.a. "Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg" und "Weltmacht oder Niedergang? Deutsche Großmachtpolitik im 20. Jahrhundert".
Ralf Stieber, Karlsruhe, 5. März 1998