Wenn Vollbeschäftigung
nicht mehr der Regelfall ist
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Konrad Maier, Professor für Politikwissenschaft an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, erhält den mit 3000 DM dotierten Bad Herrenalber Akademiepreis 1999. Die Jury des "Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e. V." würdigt damit den Vortrag "Die Zukunft der Arbeitsgesellschaft", den der Politologe und Sozialarbeitswissenschaftler auf der gemeinsamen Tagung der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zum Thema "Standort Deutschland hielt.
Maier legt in dem Vortrag die Aufgaben einer Gesellschaft offen, in der Vollbeschäftigung nicht mehr zum Regelfall gehören wird. Er bezeichnet es als Gebot der intellektuellen Redlichkeit, den Umfang und die einschneidenen Folgen der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit wahrzunehmen und zugleich die begrenzten Möglichkeiten zur Lösung aller Probleme zu akzeptieren. Zum anderen bezeichnet es Maier als Gebot der Fairneß, die Arbeitslosigkeit nicht einfach den Arbeitslosen anzulasten. Den Arbeitlosen müsse eine angemessene Entschädigung dafür gegeben werden, daß die Gesellschaft sie aus dem Erwerbsleben ausgrenzt. Maier stellt sich in seinem Vortrag der Aufgabe, einer großen Zahl Menschen andere Lebensinhalte und Existenzgrundlagen zu vermitteln, als sie traditionell in der Arbeitsgesellschaft gegeben sind.
Konrad Maier wurde 1939 in Triberg/Schwarzwald geboren. Nach beruflicher Tätigkeit in verschiedenen Einrichtungen der politischen Bildungsarbeit (Studienhaus Wisneck, Institut für politische Bildung Baden-Württemberg e. V., Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB der Erzdiözese Freiburg) wurde der Katholik 1983 Professor an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg.
Seit 1984 baute Maier die Kontaktstelle für praxisnahe Forschung e. V. mit gegenwärtig 20 hauptamtlichen Mitarbeitern an der Fachhochschule auf. Themenschwerpunkte seiner umfangreichen Forschungstätigkeit im Sinne von Praxisforschung sind u.a.: Arbeitslosigkeit und Armut, kommunale Sozialpolitk und Sozialarbeit, Nachbarschaft und Alltagskultur im Wohnumfeld, aber auch Fragen der Sozialplanung und Stadtteilarbeit.
Wichtige Veröffentlichungen Maiers der letzten Jahre sind: Der Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und gesundheitlichen Einschränkungen (Freiburg 1991), Berufsziel Sozialarbeit/ Sozialpädagogik (Freiburg 1995), Forschung an Fachhochschulen für Soziale Arbeit (1998) und zahlreiche Aufsätze zum Sozialwort der Kirchen und zur Krise der Arbeitsgesellschaft.
Der Bad Herrenalber Akademiepreis wurde Maier am 25. Juli in Bad Herrenalb im Rahmen des Akademiefestes und der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e. V. verliehen.
Ralf Stieber, Bad Herrenalb, Juli 1999