Beitrag zur Tagung Endliche Ressourcen - unendliches Wachstum
Homepage der Evangelischen Akademie Baden
 

Ausstieg aus der Wachstumsfalle

Solidarischer Ausgleich statt "Kultur der Gier"

Sieglinde Ruf
Prof. Scherhorn sprach von einem überholten Wachstumsbegriff

Blick ins Plenum
Akademiedirektor Siegfried Strobel

Thomas Kreuzer und Christian Osterhaus
Podiumsdiskussion zum Thema Nachhaltigkeit

Das Forum sammelt selbst
Klaus Peter Spohn-Logé vom KDA

Claudia Kramer
Dipl. Geograph Thomas Hirsch (Mitte)

Die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und den Kampf gegen die weltweite Armut sind "die zentralen Herausforderungen unserer Zeit". Dies unterstrich Klaus Seitz (Stuttgart), Leiter der entwicklungspolitischen Abteilung von Brot für die Welt auf der Tagung "Endliche Ressourcen – unendliches Wachstum", die Ende November von der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb veranstaltet wurde. Mit dem Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung" hätten sich die Staaten der Welt auf ein neues Entwicklungsleitbild verständigt, das einen Ausweg aus den globalen Krisen weisen soll. Dabei werde immer mehr deutlich, dass die ökologischen und sozialen Problemen der Weltgesellschaft mit den herkömmlichen Fortschrittsrezepten nicht mehr beizukommen ist.

Soziale und ökologische Leitplanken

Die vorherrschenden Nachhaltigkeitsstrategien setzen noch immer vor allem auf wirtschaftliches Wachstum und technologische Effizienz. Es gehe um einen "Ausstieg aus der Wachstumsfalle", alternative Entwicklungswege und einen neuen Kurs in Richtung auf eine "Ökonomie des Genug" einzuschlagen. In Kirche und Gesellschaft bedürfe es einer breiten Diskussion über die Folgen und Grenzen des Wachstums und über die Suche nach neuen Wohlstandsmodellen einer postindustriellen Zivilisation. Notwendig seinen soziale und ökologische Leitplanken, innerhalb sich die Ökonomie bewegen dürfe, unterstrich Seitz.

Akademiedirektor Siegfried Strobel (Karlsruhe), der gemeinsam mit Klaus-Peter Spohn-Logé (Mannheim) die Tagung leitete, sprach von einem verfehlten Wachstumsbegriff der Industrieländer: ökonomisches Wachstum um jeden Preis sei ein Fetisch mit drogenähnlicher Wirkung. Längst sei man über ein organisches Wachstum hinaus, mehr denn je gelte es das rechte Maß zu finden, um einen Ausweg aus den globalen Krisen zu finden. Professor Gerhard Scherhorn (Mannheim), Mitautor der Studien "Nachhaltiges Deutschland" bezeichnete in seinem Beitrag quantitatives Wachstum als mittlerweile "unwirtschaftlich". Letztlich koste es mehr als es einbringe, da es Gesundheit, Umwelt und Integration beeinträchtige. Seit den 60er Jahren sei erkennbar, dass die Fortsetzung dieses Wachstums die naturgegebenen Lebens- und Produktionsgrundlagen aufzehre. Eine nachhaltige Entwicklung sei mit dem Primat des Kapitals nicht möglich.

Kritik an der Kultur der Gier

Auch im Sinne der Sozialverträglichkeit sei eine nachhaltige Zukunftsentwicklung notwendig, wie der Diplom-Geograph Thomas Hirsch (Stuttgart), unabhängiger Politikberater bei "Brot für die Welt" hervorhob. Nur so sei könne das Grundrecht aller Menschen auf Nahrung und Wasser umgesetzt werden. Hirsch kritisierte, dass wir in den vergangenen Jahren "eine Kultur der Gier gepflegt hätten". Mehr Rendite bedeute entweder exorbitante Risiken einzugehen oder "Kosten auf Teufel komm raus zu Lasten von Umwelt und anderen Menschen zu externalisieren". Dies sei ethisch unvertretbar.

Nachhaltigkeit - eine christliche Tugend?

Die Frage "Nachhaltigkeit – eine christliche Tugend?" beantwortet Wilfried Neusel vom Evangelischen Entwicklungsdienst (eed) (Bonn) zumindest hinsichtlich der biblischen Grundlagen mit "Ja". Fundament sei die Überzeugung, "dass die Schöpfung Gott gehört und die Menschen mit der umsichtigen Haushalterschaft beauftragt werden". Aus diesem Blickwinkel werde eine Ökonomie der Genügsamkeit und des solidarischen Ausgleichs favorisiert. Common sense aller christlichen Konfessionen sei es, "dass der Mensch Mittelpunkt und Ziel der Ökonomie ist, nicht das Kapital". Auch die Natur sei nicht nur Mittel zum Zweck und mehr als ein Warenlager. Als Schöpfung werde sie zum Resonanzraum der Herrlichkeit Gottes: "Nachhaltig ist nach biblischer Tradition alles, was dafür sorgt, dass die Schöpfung Gottes als Schauplatz seiner Herrlichkeit erkennbar bleibt.

Pro erneuerbare Energien

Die Tagung im Rahmen des Netzwerkprojektes "Zukunftsfähigkeit Deutschlands in einer globalisierten Welt" blieb nicht bei der theoretischen Diskussion stehen, sondern stellte exemplarische Handlungsfelder zu Energie, Mobilität und Ernährungssicherung vor. Daniel Bannasch (Mannheim), Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar e.V., führte in seinem Beitrag vor Augen, dass der Energiehunger der Zukunft zu 100% mit erneuerbaren Energien zu stillen sei. Das bedeute die Ablösung der atomarfossilen Energieversorgung durch Energieeffizienz, Energieeinsparung und den Ausbau der Nutzung der erneuerbaren Energien. Großkraftwerke hingegen gefährdeten massiv den dringend notwendigen Umbau der Energieversorgung.

Ralf Stieber, Karlsruhe, 23. November 2009