Informationen über die Evangelische Akademie Baden Quelle: Johannes B. Hewel, Ralf Stieber
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Ralf Stieber
Presse- und Öffentlichkeitsreferent

1947

Eröffnung der Akademie in Bad Herrenalb

Bereits am 24. Januar 1947 war klar, daß der frühere Direktor des Predigerseminars in Soest/Westfalen, Pfarrer Dr. Friedrich Schauer beauftragt werden sollte, die badische Akademie zu leiten. Schauer war ein Mann der ersten Stunde in der Michaelsbruderschaft gewesen, Mitglied der Bekennenden Kirche (aus der er aus theologischen Gründen wieder austrat), hatte sich am politischen Widerstand gegen das Dritte Reich beteiligt und war nach der Gefangennahme seines Chefs Theodor Steltzer durch die Gestapo Anfang 1945 von Norwegen nach Schweden geflohen.

Quelle: privat
Dr. Friedrich Schauer

Die Gründung der Evangelischen Akademie Baden bedeutete auch für den aus Schweden nach Deutschland zurückgekehrten Schauer einen Neufang in den Wirren der Nachkriegszeit.

In einem Brief aus dieser Anfangszeit wird darauf hingewiesen, “daß die Gebäude der verschiedenen Evang. Akademien, der bereits errichteten und noch zu errichtenden, von einem dazu zu erschaffenden überkirchlichen Verein gepachtet und den Landeskirchen zum Betrieb der Akademie zur Verfügung gestellt werden sollten.” Die hauswirtschaftliche Leitung sollte “am liebsten in den Händen von Diakonissen” aus Nonnenweier sein, so der Evangelische Oberkirchenrat Anfang 1947.

Im Februar 1947 entschuldigt sich Feldbischof Marcel Sturm offiziell, daß der “Grüne Wald” nicht freigegeben werden kann, “da dieses Haus noch zur Unterbringung der Truppe benötigt wird”. Eberhard Müller schreibt schließlich am 28. Februar 1947 an Oberkirchenrat Otto Friedrich über seine Verabredungen und Abmachungen mit Pfarrer Hans-Wolfgang Heidland:

“Mein Interesse an Herrenalb kam dadurch zustande, dass Herr Pakleppa von unseren Bestrebungen hörte, im französisch besetzten Württemberg ein Haus ausfindig zu machen, das sich für die Errichtung einer Evangelischen Akademie eignet.[...] Die württ. Kirche braucht unbedingt im Laufe der Zeit im französisch besetzten Württemberg die Einrichtung einer Evangelischen Akademie, und die Tatsache, dass Herrenalb zwar auf württ. Boden liegt, aber verkehrsmässig sich mehr nach Baden öffnet, scheint auch äusserlich eine Zusammenarbeit zu bejahen. Falls die badische Landeskirche in irgendeine unerwünschte Abhängigkeit von Württemberg zu kommen fürchtet, könnte ja der badische Oberkirchenrat jederzeit entsprechende Forderungen für die Ordnung der gemeinsamen Arbeit erheben ...”

Friedrich Schauer indessen schreibt noch im April 1947 an Eberhard Müller:

"Die Dinge laufen hier sehr schlecht. Alles ist bestimmt von einem scharfen Gegensatz, vor allem des Landesbischofs gegen Sie. ... Ganz klar ist mir der Grund nicht. Es scheint aber, dass sich die Herrn von Ihnen irgendwie bevormundet wissen oder glauben. ... Es ist jetzt soweit, dass an eine Einrichtung einer Evangelischen Akademie nicht mehr ernstlich gedacht ist".
(aus: E. Müller, Widerstand und Verständigung, S. 102)

Ein Telegramm von Oberkirchenrat Friedrich vom 2. April 1947 an Eberhard Müller lautete aber schon: “Sehen von Grüner Wald ab, da Unterbringung der Akademie auf Falkenburg möglich. Brief folgt.”

Erste Tagungsstätte für die Akademie wird wenig später entgegen den Befürchtungen Schauers das Kindererholungsheim “Falkenburg” in Herrenalb, weitere Zimmer für die Übernachtungen gibt es in der “Käthe-Luther-Schule”. Beide Häuser sind Einrichtungen des Badischen Landesvereins für Innere Mission, wobei die “Falkenburg” allerdings nur in den Sommermonaten benützt werden konnte, da die Heizung für den Winter unzureichend war.

 

Quelle: privat
Die Falkenburg ca. 1950

Im Sommer 1947 ist es dann offiziell: Im Gesetzes- und Verordnungsblatt für die Vereinigte Evangelisch-protestantische Landeskirche Baden vom 19. Juni 1947 wird der Beschluß des Evangelischen Oberkirchenrates (OKR) veröffentlicht, eine Akademie mit Sitz in Herrenalb einzurichten:

“OKR 24.5.1947 Die Evang. Akademie der Badischen Landeskirche betr.
Der Evang. Oberkirchenrat hat im Einvernehmen mit dem Erweiterten Oberkirchenrat beschlossen, die Evang. Akademie der Bad. Landeskirche mit dem Sitz in Herrenalb einzurichten.
Diese Evang. Akademie ist eine Einrichtung zur Veranstaltung von kirchlichen Lehrgängen für die Angehörigen der verschiedenen Berufe. Auf diesen Lehrgängen soll durch Vorträge, Aussprachen und gottesdienstliche Feiern Hilfe dafür geleistet werden, dass die Teilnehmer ihre Lebensarbeit im christlichen Geiste durchführen lernen.”

Tage der Besinnung und Vertiefung für Ärztinnen und Ärzte

Am Mittwoch, den 25. Juni 1947, wird dann die Evangelische Akademie Baden eröffnet. Die erste Tagung der Akademie fand unmittelbar im Anschluß an die Eröffnung statt. Sie hieß schlicht “Tage der Besinnung und Vertiefung” und richtete sich an Ärzte und Ärztinnen, die im Mai 1947 über die Pfarrämter zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen worden waren.

Auf der Eröffnungsfeier sprachen nach der Begrüßung durch Dr. Friedrich Schauer der damalige Landesbischof Dr. Julius Bender und der Internist Prof. Dr. Richard Siebeck aus Heidelberg, Feldbischof Marcel Sturm, ein Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland, Eberhard Müller für den “Deutschen Leiterkreis der Evangelischen Akademien” (heute EAD) und Vertreter von Behörden. Sturm hob in seiner Rede besonders die gemeinsame Verantwortung der Christen aller Länder der im Argen liegenden Welt hervor.

Landesbischof Bender hatte persönlich zur Eröffnungsfeier und der anschließenden eine Woche dauernde Akademietagung eingeladen und schrieb als eine Begründung für die Akademietagung:

“Die Unklarheit und Unsicherheit der Bedeutung gegenüber, welche der christliche Glaube für alles persönliche und gemeinsame Leben besitzt, hat während der letzen Jahrhunderte in unserem Volke beständig zugenommen. Nur so war es möglich, daß die Machthaber des Dritten Reiches aus einer anfangs verhüllten antichristlichen Haltung heraus je länger desto bewußter die Ewigkeitsgrundlage unseres Daseins zu zerstören versuchen konnten.”

Die Programmfolge ließ bereits den Aufbau auch der nachfolgenden Tagungen der Evangelischen Akademie Baden erkennen. Nach einer biblischen Vertiefung wurden Themen wie “Medizin in der Verantwortung”, “Die biblische Auffassung von der Krankheit” und “Deutschland schuldig oder krank?” vorgetragen und in einer Aussprache diskutiert. Anders als heute dauerte die Tagung allerdings eine ganze Woche, wofür später kaum einer sich die Zeit nehmen konnte.

Bereits die zweite Tagung der Akademie richtete sich an “Männer der Wirtschaft” (10.-16. Juli 1947). In der Einladung heißt es:

“An dem Bemühen, das gestörte und zum großen Teil zerstörte Wirtschaftsleben unseres Volkes wieder in Gang zu bringen, nimmt die Kirche aufrichtig Anteil. Wir Männer der Kirche wissen es heute noch mehr als sonst richtig einzuschätzen, daß ohne Ihr Mühen und ohne Ihren Einsatz auch für unsere Arbeit und für unser persönliches Leben die materielle Grundlage fehlen würde.”

Die Rahmenbedingungen für die ersten Akademietagungen waren alles andere als leicht. Damit sie überhaupt stattfinden konnten, mußten neben dem Tagungsbeitrag von 45 Reichsmark auch Naturalien mitgebracht werden, “an Lebensmitteln in natura 1 Pfund Kartoffeln pro Tag, also 7 Pfund für den ganzen Lehrgang, und Brotaufstrich”, heißt es in den ersten Einladungstexten. Bei der Anmeldung zur Tagung sollten die Teilnehmer zudem angeben, “ob der sich Meldende im Besitz eines Einreisevisums in die französische Zone ist, evtl. durch die amerikanische” – die typischen Rahmenbedingungen in einem besetzten Land.

Bis Jahresende 1947 fanden immerhin 16 Tagungen in den Räumen der Akademie statt, u.a. für Lehrer und Lehrerinnen, Juristen, berufstätige Frauen, Sozialbeamtinnen und für Bauern. Als Arbeitsweise “vor vielen anderen Mitteln” nannte Schauer das Gespräch mit all seinen Möglichkeiten der Vermittlung und Begegnung:

“Es unterscheidet sich dadurch von der Predigt und aller predigtähnlichen Verkündigung oder auch von allen Vorträgen, daß dabei beide Parteien ernsthaft aufeinander hören, ehe es zum gegenseitigen Zeugnis kommt. Aber nur wo Menschen einander wirklich anzuhören und durch alle ungeschickte und oft genug unzulängliche Ausdrucksweise das eigentliche Anliegen des anderen in hingebendem Lauschen zu vernehmen vermögen, kann es zu einer fruchtbaren Aussprache und darüber hinaus zu einer wirklichen Gemeinschaft kommen.”

Das Gespräch war damit auch ein Teil jenes Selbstverständnisses der Evangelischen Akademien, wie es bereits im Februar 1947 vom Leiterkreis der Evangelischen Akademien (heute: Evangelische Akademien in Deutschland e.V.) beschrieben worden war:

“Das Wort Gottes, das in Jesus Christus Fleisch geworden ist, kann nicht wie eine zeitlose Wahrheit gedacht und geglaubt werden; die Kirche muß die Menschen an dem Ort aufsuchen, an den sie durch ihren Beruf, ihre geistige Erziehung und ihre persönliche Lebensführung innerhalb dieser Welt gestellt sind [...].”

Mit den Akademietagungen wurde dieser Ort gefunden, wobei vor allem in der Zeit Schauers (in Ausnahmefällen später auch von seinem Nachfolger Schomerus) viele Tagungen nur vom jeweiligen Tagungsleiter ohne weitere Referenten durchgeführt wurden. Die Evangelische Akademie Baden wurde schon bald über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Im Frühherbst 1947 wandte sich die “Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek Berlin” an den Oberkirchenrat mit folgender Bitte:

“Der Bibliothek ist bekannt geworden, dass die Evangelische Akademie Baden, deren Anschrift sie nicht weiss, eine Reihe von Vorträgen herausgibt. Die Bibliothek würde sie neben den Veröffentlichungen anderer evangelischer Akademien aber gern in ihren Beständen besitzen [...].”

Zwei Publikationen aus der Buchreihe "Vorträge der Evangelischen Akademie Baden" sind inzwischen bekannt, einmal ein Bericht von Erwin Friedrich Mühlhaupt und ein Vortrag von Hans-Wolfgang Heidland, beides Zeitzeugnisse, die sich mit Fragen des christlichen Glauben nach dem zweiten Weltkrieg auseinandersetzen.

 

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