Informationen über die Evangelische Akademie Baden Quelle: Johannes B. Hewel, Ralf Stieber
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Ansprechpartner

Ralf Stieber
Presse- und Öffentlichkeitsreferent

1948

Spendenaufruf

In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren hatte die Akademie mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die heute kaum mehr vorstellbar sind. Es herrschte “Mangel an Papier aller Art, besonders auch für den Druck von Programmen, Werbeschriften und gelegentlichen Mitteilungen an die Tagungsteilnehmer, sowie Mangel an Büromaterialien aller Art.” Schauer schreibt im April 1948:

“Den Hilferuf um eine brauchbare Schreibmaschine wage ich kaum laut werden zu lassen, geschweige denn den um einen kleinen Kraftwagen zur Herbeischaffung der Redner und der Teilnehmer aus der französischen Zone, die über Gernsbach anreisen müssen.”

Schauer bittet daher um Spenden, die zum weiteren Bestehen und Ausbau der Akademie beitragen können.

“Wir sind auch für den kleinsten regelmäßigen oder gelegentlichen Beitrag herzlich dankbar [...]. Auch ermöglichen uns die freiwilligen Spenden, bedürftigen Teilnehmern den Tagungsbeitrag zu ermäßigen oder in ganz besonders schwierigen Fällen ganz zu erlassen.”

Schauer führte ein “Montagabendgebet” ein, bei dem für die Arbeit der Akademie regelmäßig um 22 Uhr gebetet wurde. Er schreibt weiter:

“Denn um ein Wagnis handelt es sich hier, um nichts anderes. Wir tasten. Wir sind unterwegs. Wir suchen einander zu helfen im Ringen um die Verwirklichung der neuen Kirche und des neuen Volkes aus der ewig gleichen Kraft spendender und begnadender Liebe unsres Herrn und Meisters Jesu Christi.”

Die Währungsreform vom 20. Juni 1948 war für Deutschland zwar ein entscheidender Schritt zur Normalität, doch wandten sich die Menschen zwangsläufig wieder vermehrt materiellen Gütern zu. Das erstaunliche kulturelle Leben dieser Zeit versickerte wieder.

Auch für die Akademie Baden kam es wegen erhöhter Tagungskosten und des Währungsschnitts (100 RM=6,50 DM) zu zahlreichen Absagen von Interessenten, obwohl rund 2000 Einladungen durch die Expeditur des Oberkirchenrat versandt wurden. Schauer machte sich nun Gedanken, eine preiswertere und heizbare Tagungsstätte zu finden. Im Gespräch war eine Zeit lang der Gasthof Lautenfelsen in Lauterbach, ein Ochsenwagen “zur Beförderung des Gepäcks und sonstiger Materialien sei verhältnismäßig leicht mietbar”, schrieb Schauer an den Oberkirchenrat. Von einem Aufgeben der Akademiearbeit riet Schauer ab:

“Das Aufgeben der Arbeit der Evangelischen Akademie wäre für die badische Landeskirche zweifellos ein Verlust [...]. Es wächst auch mit dem Wegfall einer solchen Arbeit die Gefahr, daß sich die Kirche unter dem Druck der heutigen finanziellen Schwierigkeiten mehr und mehr darauf beschränkt, nur noch Vorhandenes zu erhalten, ohne neue Menschen und Lebensgebiete für ihre Einflußnahme zu erschließen.”

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