Informationen über die Evangelische Akademie Baden Quelle: Johannes B. Hewel, Ralf Stieber
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Ansprechpartner

Ralf Stieber
Presse- und Öffentlichkeitsreferent

1949

Fortbestand in Gefahr

Eines dieser Lebensgebiete war die Presse, die schon in diesen Tagen kein unkritisches Verhältnis zur Kirche hatte. Über das Wagnis einer “Tagung für die Presse” vom 12.-17. Mai 1949 schreibt Schauer eher skeptisch:

“Die Ungunst der Voraussetzungen lag darin, daß die zu allermeist der Kirche gleichgültig gegenüberstehenden Presseleute gar nicht begreifen wollten, worum es hier eigentlich geht. Sie erwarteten einen mehrtägigen Empfang, über den sie in großer Aufmachung berichten konnten.”

Die Tagung wurde dennoch, wie dem Beitrag “Kirche und Presse” von Hermann Knorr am 21. Mai 1949 in der Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg) zu entnehmen ist, ein Erfolg, denn das erhoffte Gespräch zwischen Menschen fand statt.

“In Herrenalb fand dieser Tage eine Begegnung mit Männern aus der weltlichen Presse statt, ein Ereignis, dem man allseits mit Spannung entgegensah. Da fand sich der gemaßregelte Linksjournalist plötzlich in Gemeinschaft mit dem ehemaligen Chefredakteur der Nazipresse, der aktive Parteipolitiker von heute mit ganz unpolitischen Menschen, und ihnen gegenüber sprachen Männer der Kirche davon – und wollten es auch aus der Welt selbst vernehmen – wie der Christ seinen Beruf in der weltlichen Presse auffasse, was die Kirche ihm bedeutet, wo für ihn die Brennpunkte des öffentlichen Geschehens liegen, worin die Pressearbeit der Kirche selbst besteht, und wo äußerlich und innerlich kirchliche und weltliche Presse sich berühren.[ ...] Es schien am Ende der Tagung, daß die Kirche Gewinn hatte und manche Herzen aufschloß, und daß die Menschen aus der Welt an Quellen herankamen, wo sie Kräfte für das zermürbende Morgen schöpfen konnten und das Christsein neu entdeckten.”
(Ausschnitt aus: Rhein-Neckar-Zeitung, 21. Mai 1949)

Leider rissen aber die Schwierigkeiten der Akademie auch 1949 nicht ab. Schauer konnte sich nur teilweise um die Akademiearbeit kümmern und war zusammen mit seiner Sekretärin Mathilde Weiss mit einer Vielzahl von organisatorischen und zusätzlichen Aufgaben belastet. So wurde Schauer z.B. in den Monaten, wo die Akademie geschlossen war, vorwiegend im Dienste des Männerwerks der Landeskirche eingesetzt.

Das fehlende eigene Haus, das Schauer immer wieder beklagt hatte, wurde zu einem für die Fortsetzung der Akademiearbeit bedrohlichen Problem: Die “Falkenburg” war auch Ende 1948 bis April 1949 mangels adäquater Heizung nicht benutzbar. Gleichzeitig wollte die Innere Mission die Käthe-Luther-Schule wieder für deren eigentliche, gewinnversprechendere Aufgabe als Hauswirtschaftsschule nutzen. Der Druck von dieser Seite auf die Akademie wuchs. Aber auch unterschiedliche Vorstellungen innerhalb der Landeskirche über die Rolle und Aufgabe einer Akademie belasteten die Arbeit. Das Fortbestehen der Akademie war nun ernsthaft in Gefahr. Ende des Jahres verdichteten sich Gerüchte über eine Verlegung der Akademie in Richtung Heidelberg bzw. Schließung der Akademie.

Angesichts dieser bedrohlichen Situation hatte sich während einer Tagung für Wirtschaft und öffentliches Leben (3.-8. Oktober 1949) eine “Gesellschaft der Freunde der Evangelischen Akademie” zusammengefunden und sich die Fortsetzung “der kontinuierlichen Weiterarbeit der Akademie” zum Ziel gemacht. Über die Akademie schreibt dieser erste Freundeskreis:

“Die Evangelische Akademie mit ihrem Leiter Friedrich Schauer und ihren Vortragenden, ihren Tagungen und Teilnehmern aus allen Berufsgruppen ist uns eine Stätte der Hoffnung geworden – der Hoffnung auf Erneuerung unserer weithin so starr und unlebendig gewordenen deutschen evangelischen Kirche.”

Bereits damals wurde der “Geist von Herrenalb” beschworen, gemeint war damit auch die Eigenart der Akademie in Herrenalb, die “Erfahrung der Gemeinschaft der Kirche” übermitteln zu können. Dabei handele es sich nicht um Evangelisation, sondern um “koinonia”, d. h. die “gemeinsame Teilnahme am Leben des erhöhten Herrn”. In einem Brief an den Landesbischof nennt Mathilde Weiss, die die organisatorische Arbeit der Akademie in diesen frühen Jahren erledigte, als Zielgruppe der Tagungen Menschen, deren Leben zunächst von “Entnazifizierung, Heimatlosigkeit und Ziellosigkeit des äußerlichen Lebens” bestimmt worden sei. Nach der Währungsreform habe sich bei den Teilnehmern wieder das Bild geändert, die persönliche Lebensorientierung ginge nun hin auf Ziele des “Aufbauwillen”, des “Erwerbs” und des “Lebenskampfes”.

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