Informationen über die Evangelische Akademie Baden Quelle: Johannes B. Hewel, Ralf Stieber
Facebook Twitter YouTube RSS
Ansprechpartner

Ralf Stieber
Presse- und Öffentlichkeitsreferent

1950

Entlassung von Dr. Friedrich Schauer

Ende 1949 verdichteten sich die Gerüchte, daß die badische Landeskirche trotz der lobenden Worte in Sachen Evangelische Akademien durch die Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) die Arbeit in Herrenalb in Frage stellte. Dabei spielte auch eine Rolle, daß Landesbischof Bender zum einen dezentralisierte Tagungen gegenüber einer bodenständigen (fest verorteten) Akademiearbeit bevorzugte und, so der Freundeskreis, “die Akademiearbeit als eine Funktion der Landeskirche mit dem Ziel der Nachwirkung auf das örtliche Gemeindeleben” betrachtete. Schauer hingegen wollte wie Eberhardt Müller in erster Linie eine Akademie, in der sich “Kirche und Welt in freier Aussprache begegnen können”, an einem festen Ort – Herrenalb.

Die bestehenden Meinungsverschiedenheiten über die Erhaltung und Führung der Akademie in Herrenalb und die finanziellen Forderungen des Badischen Landesvereins für Innere Mission brachten dann ein vorläufiges Aus für Herrenalb. Der Pachtvertrag mit der “Falkenburg” und der Betrieb der Akademie wurden im 18. Januar 1950 mit sofortiger Wirkung aufgehoben, ökonomische Gesichtspunkte gewannen über missionarische Gesichtspunkte die Überhand. Gleichzeitig wurde Dr. Friedrich Schauer aus der Akademiearbeit entlassen; angeboten wurde ihm eine Anstellung als Religionslehrer. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren offenbar auch die schon länger vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Akademieleiter und Landesbischof Bender.

Hans Wolfgang Heidland, inzwischen Oberkirchenrat, wurde nun mit der kommissarischen Leitung der Akademie beauftragt. Als Befürworter der Akademiearbeit suchte er nach einem tragfähigen Kompromiß. Vom Januar bis März 1950 war erstmals von Tagungen im Haus “Charlottenruhe” die Rede. Hier begann die Geschichte der Akademie als eine mit Herrenalb verbundene Tagungsstätte, für die sich der Freundeskreis mit großer Entschiedenheit von Anfang an einsetzte. Auch Eberhardt Müller hatte aus Bad Boller Sicht noch einmal betont, wie wichtig “der feste Sitz und der geeignete Leiter” für eine Akademie sei.

Der Evangelische Oberkirchenrat bat den Landesverein für Innere Mission von Juni bis September 1950 der Evangelischen Akademie für acht Tagungen das Haus “Charlottenruhe” zur Verfügung zu stellen. (Das Haus wurde schließlich am 1. Juli 1952 von der Landeskirche gekauft und 1953 für die Sitzungen der Landessynode und die Tagungen der Evangelischen Akademie umgebaut und erweitert. Diakonissen des Evangelischen Diakonissenhauses Nonnenweier kümmerten sich unter der Leitung von Schwester Elisabeth Kern um die Führung des Hauses.)

Der am 22. Januar 1950 offiziell gegründete Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden, in dem sich Besucher früherer, noch von Schauer geleiteter Tagungen zusammenschlossen, trug die Akademiearbeit weiter. In einem Akademieprogramm heißt es:

“Im ‘Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden (Herrenalb)’ unterstützen frühere Tagungsgäste die Arbeit in Herrenalb und tragen die Ergebnisse der Tagungen weiter in Beruf und Leben [...]. Gelegentlich finden auch Tagungen in den Städten des Landes statt, um einen größeren Menschenkreis daran teilhaben zu lassen.”

In einem Jahresrückblick der Akademieleitung gemeinsam mit dem Arbeitsausschuß des Freundeskreises wird später zwar von der “harten Tatsache” gesprochen, “den bisherigen ständigen Leiter und das bisherige Heim verloren zu haben”. “In aller Kürze” sei es aber doch möglich gewesen ein Tagungsprogramm für 1950 zu gestalten. So konnte u. a. Dr. Hermann Ehlers, Präsident des Deutschen Bundestages, zu Veranstaltungen der Evangelischen Akademie Baden gewonnen werden, die vom “Bodenseekreis” der Akademie veranstaltet wurden.

Mit der Tagungsleitung waren während dieser Monate verschiedene Personen betreut. Namentlich genannt werden können Oberkirchenrat Dr. Heidland, Pfarrer Lic. Manfred Wallach, Pfarrer Dr. Karl-Heinz Schöner, Pfarrer Rudolf Kehr, Landeswohlfahrtspfarrer Wilhelm Ziegler und Pfarrer Jaeger. Auf der Tagung “Über das rechte Lesen” referierte 1950 u. a. der Frankfurter Studentenpfarrer Dr. Wolfgang Böhme, der später einmal Akademiedirektor werden sollte.

Trotz der schwierigen Umstände fiel die Bilanz der Akademiearbeit im Ende 1950 veröffentlichten Tagungsprogramm der Akademie für die Monate Januar bis September 1951 durchaus ermutigend aus:

“Es hat sich bei den Akademietagungen schon als eine Hilfe erwiesen, daß wir einander als Menschen begegneten, die sich der gleichen Not bewußt geworden waren und sich unter keinen Umständen mit ihr abfinden wollten. Es zeigte sich, daß schon eine Frage, die in Ehrlichkeit und Verantwortung gestellt war, ein Stück Antwort in sich bergen konnte; und die gestaltenden Lebenskräfte strömten bereitwilliger als es der Zaghafte erwartete, dem zu, der für den Anruf Gottes offen war und mutig den Schritt in das Neuland tat.”

Bereits in diesen ersten vier Jahren mit all ihren Konflikten und Widrigkeiten zeichnete sich also der Erfolg der Akademieidee auch in Baden ab. In dem genannten Programm ist weiterhin zu lesen, daß sich die Evangelische Akademie Baden “zu einer Stätte echten Gesprächs, innerer Sammlung, fachkundiger Beratung und tapferen Wagnisses” entwickelt habe.

 
 
< zurück zu 1949 zur Übersicht vor zu 1951 >