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Vielfalt als Lebensprinzip - Kirchen können viel zum Erhalt der Schöpfung beitragen

Interview mit der Landschaftsökologin Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein

Die Vielfalt des Lebens auf der Erde, die Biodiversität, gehört zum Erbe, das der Menschheit anvertraut ist. Zurzeit sieht es damit allerdings eher schlecht aus: Täglich sterben rund 70 Arten auf unserem Planeten aus. Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, hat für uns einige Fragen in Sachen Artenvielfalt beantwortet. Im Rahmen der Akademietagung "Damit es weiter brummt und summt. Biodiversität - Handlungserfahrungen für Politik und Praxis" sprach sie in Bad Herrenalb über das Insektensterben.

Quelle: privat
Alexandra-Maria Klein

Wodurch ist die Vielfalt der Arten und des Lebens besonders bedroht?

Alexandra-Maria Klein: Die Artenvielfalt ist an erster Stelle durch die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen bedroht. Dies ist der Lebensraum mit den Ressourcen (Futter, Brut- und Nistmöglichkeiten), die jede Art benötigt. Dazu kommen viele anthropogene Einflüsse, durch die manche Arten zwar profitieren, aber viele Arten verdrängt werden. Diese Einflüsse sind vielfältig und reichen von der Zerschneidung der Lebensräume (vorwiegend Naturlebensräume wie z.B. Magerwiesen, Streuobstwiesen, lichte Wälder) über Pestizide und Stickstoffüberfluss in unseren Kulturlandschaften, Ausbreitung von gebietsfremden Arten bis hin zu Elektrosmog.

Warum ist die Vielfalt des Lebens auf der Erde, die Biodiversität, so wichtig?

Alexandra-Maria Klein: Jede Art hat eine spezifische Rolle in den Ökosystemen. Sie besetzen unterschiedliche ökologische Nischen, die wichtig für die Stabilität der Ökosysteme sind. Beispielsweise sind manche räuberischen Insekten bei anderen Temperaturen aktiv als andere räuberische Insektenarten  und ergänzen sich somit in der Vernichtung von Schädlingen Hummeln fliegen zu den Blüten bei kälteren Temperaturen als Honigbienen und können somit die Bestäubungsleistung der Honigbiene ersetzen, wenn es im Frühjahr kühl ist. Viele Arten sind auf spezifische andere Arten in Nahrungsbeziehungen spezialisiert. Fallen diese aus, verändern sich die Ökosysteme und werden immer einfältiger und damit anfälliger für Umweltkatastrophen.

Was ist so schlimm daran, wenn ein paar Insekten- oder Pflanzenarten aussterben und verschwinden?

Alexandra-Maria Klein: Das Gefährliche ist, dass wir nicht genau wissen, wann ein Ökosystem zusammen bricht, also auf welche und wie viele Arten wir verzichten können. Naturnahe Ökosysteme funktionieren, ohne dass der Mensch intervenieren muss. Unsere Agrarökosysteme sind sehr monoton geworden und die oben genannten ökologischen Nischen sind nicht mehr gefüllt. Somit zerstören wir die Stabilität, die uns die Natur gegeben hat. Wir Menschen versuchen, die Natur zu kontrollieren und wenn wir dies nicht schaffen, kommt es zu Katastrophen (Schädlingsausbrüche, Trockenheiten, die Ernten zerstören).

Hat die heutige landwirtschaftliche Betriebsweise Auswirkungen auf die Artenvielfalt?

Alexandra-Maria Klein: Keine bis wenige Fruchtfolgen, Ackermonokulturen und zu viel Stickstoff auf und um den Acker und zu wenig Naturlebensräume als Rückzugsgebiete für viele Insekten, Vögel und Kleinsäuger, sind uns wohl bekannte und sehr gut untersuchte Ursachen des Artenrückgangs. Beispielsweise haben wir kaum noch langrüsselige Hummelarten, weil wir kaum noch Bohnen oder Klee anbauen. In monotonen Landschaften gibt es sehr wenige Nützlinge.

Braucht die Landwirtschaft umweltverträglichere Anbauweisen?

Alexandra-Maria Klein: Wir brauchen wieder mehr Vielfalt in unseren Anbauweisen. Viele Großbetriebe müssten mehr auf vielfältige Fruchtfolgen setzen und weniger Chemikalien und Kunstdünger einsetzen. Die Landwirte brauchen wieder mehr Zeit, um ihre Anbausysteme zu beobachten, um so wenig und gezielt wie möglich Pflanzenschutzmittel einzusetzen.

Was sollten die Kirchen im Blick auf die Erhaltung der Schöpfung tun?

Alexandra-Maria Klein: Die Kirchen könnten über Naturschutzauflagen in den Pachtverträgen viel zum Erhalt der Schöpfung beitragen. Acker- und Weideland könnten vorwiegend an Biolandwirte oder Landwirte, die einen integrierten Pflanzenanbau betreiben, vorrangig oder günstiger vergeben werden. Besser wäre es an mehrere kleiner Betriebe als an einem großen Betrieb Land zu verpachten. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass vielfältiger angebaut wird. Die Kirche könnte auch für innovative Agrar- und Forstnutzungsideen z.B. einer Waldweide oder einem Agroforstsystem Land über eine günstigere Pacht vergeben. Kirchen sollten so wenig künstliches Licht wie möglich verwenden. Für Immobilien mit Garten könnten die Kirchen auch Pachtauflagen für die Gärten geben z.B. Glyphosatverbot, Begrenzungen nicht durch Betonmauern, sondern Pächter könnten über einen Maßnahmenkatalog, mit Maßnahmen (z.B. Naturmauern, Naturhecken), die Artenvielfalt fördern, die Grundstücke begrenzen. Historische Mauern und Gebäude bieten einen einmaligen Lebensraum für bedrohte Arten und sollten zwingend nach Naturschutzkriterien saniert werden.

Was kann der Einzelne tun, um die Artenvielfalt zu schützen?

Alexandra-Maria Klein: Heimische Lebensmittel von Landwirten kaufen, die vielfältig anbauen und Hecken und Blühstreifen pflegen. Anstelle von Geranien und gefüllten Blüten, die meist keinen Nektar haben, heimische Kräuter auf den Balkon und in den Garten pflanzen. Offener, lockerer Boden fördert bodennistende Wildbienen. Vielfältige Hecken und Trockenmauern anlegen und keine Betonmauern zur Begrenzung verwenden. Wasserstellen im Garten anlegen und weniger Katzen halten.

 

Die Fragen stellte Ralf Stieber, Evangelische Akademie Baden/ZfK, Karlsruhe, im Februar 2018