Evangelische Akademie Baden - Herzlich willkommen auf unseren Seiten! Quelle: © Jan Becke - stock.adobe.com
Aktuelle Veranstaltungen
Fr. 25.01.2019 - So. 27.01.2019
Evangelische Akademie Baden Bad Herrenalb
Ingenieure als Weltretter?
Fr. 01.02.2019 - So. 03.02.2019
Evangelische Akademie Baden Bad Herrenalb
„Herz und Mund und Tat und Leben“
Fr. 22.02.2019 - So. 24.02.2019
Evangelische Akademie Baden Bad Herrenalb
meinliebesleben. Von Liebe und Erotik in den Religionen
So. 03.03.2019 - Fr. 08.03.2019
Evangelische Akademie Baden Bad Herrenalb
Fasten für den Leib – Nahrung für die Seele

weitere Veranstaltungen ...
Akademie-Veröffentlichungen

 Herrenalber Protokolle 129:
Quelle: Evangelische Akademie Baden
Beiträge zu 90 Jahren Weltanschauungsarbeit in der Evangelischen Landeskirche in Baden
 

Herrenalber Protokolle 128:
Quelle: Evangelische Akademie Baden
Gernot Meier (Hg.)
Beiträge zu 90 Jahren Weltanschauungsarbeit in der Evangelischen Landeskirche in Baden
 

Herrenalber Forum 83:
Quelle: Evangelische Akademie Baden
Gerhild Becker / Arngard Uta Engelmann / Verena Wetzstein
Ein Impuls zur Sterbehilfedebatte
 

Herrenalber Forum 82:
Quelle: Evangelische Akademie Baden
Gernot Meier / Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Hg.)
Literarische Positionen zwischen den Weltkriegen

Herrenalber Forum 81:
Quelle: Evangelische Akademie Baden
Konstantin von Notz
Perspektiven für die digitale Revolution

Facebook Twitter YouTube RSS
Akademie mobil
Twitter News

 Social-Media-Inhalte aktivieren

Tagungshaus Bad Herrenalb
Glocke in Bad Herrenalb

Glockenläuten in Bad Herrenalb (Video-Clip)

Artenvielfalt ist kein Orchideenthema

Landwirtschaft und Naturschutz sollten an einem Strang ziehen

Die Artenvielfalt, sprich "Biodiversität" ist "ein Menschheitsthema, das uns alle existentiell betrifft". Dies unterstrich Akademiestudienleiter Hermann Witter (Karlsruhe) zur Eröffnung der Akademie-Tagung "Damit es weiter brummt und summt" in Bad Herrenalb. Leider ist es um die Vielfalt des Lebens auf der Erde derzeit eher schlecht bestellt: Täglich sterben zwischen 70 und 150 Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planeten aus.

Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Dr. Andre Baumann und Hermann Witter
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Dr. Andre Baumann
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Ekkehard Hülsmann
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Siegrun Höhne
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Matthais Strobl im Gespräch mit Rolf Brauch und Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Jochen Goedecke
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Herbert God
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Florian Hahnfeldt und Frank Philipp
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Prof. Dr. Traugott Schächtele
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Roland Waldi
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Wolfgang Grahm und Martin Klatt
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Thematische Weinprobe

Das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier hat – so Witter –  etwas damit zu tun, "wie sich der Mensch im Gegenüber zu seinen Mitmenschen, zur belebten und unbelebten Natur, zu Tieren und Pflanzen versteht und handelt". Aus christlicher Sicht gelte es, den Bewahrungsauftrag aus der biblischen Schöpfungsgeschichte angemessen umzusetzen und uns vor menschlicher Selbstüberschätzung zu hüten.

Es geht um unsere Lebensgrundlagen

Was tut die Politik in Baden-Württemberg für die Artenvielfalt? Staatssekretär Dr. Andre Baumann vom Umweltministerium Stuttgart betonte: "Artenvielfalt ist kein Orchideenthema", vielmehr gehe es um unsere Lebensgrundlagen. Es sei unser "moralischer Auftrag, die Schöpfung zu bewahren". Zugleich machte Baumann deutlich, dass es vor allem um unsere Kulturlandschaften gehe, wenn von biologischer Vielfalt geredet würde. Diese Landschaften könnten ohne Bauern nicht erhalten werden.

Baumann unterstrich, dass "Landschaft ihren Preis hat". Die Landwirte in der Region bräuchten einen fairen Preis, nur dann könnten sie fair mit der Landschaft umgehen. Es gehe also darum, "die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen". Das Land Baden-Württemberg habe ein Sonderprogramm zu biologischen Vielfalt aufgelegt, mit dem Ziel, "naturfördernd zu wirtschaften". In Zukunft sei es mehr noch als bisher notwendig, dass Naturschutz, Kommunen und Landwirte an einem Strang ziehen. Den flächendeckend eingeführten Landschaftserhaltungsverbände (LEV) komme hier eine Funktion als "Brückenbauer" zu.

Insektensterben

Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie (Universität Freiburg) zeigte, dass "die Anzahl der Insekten stark zurückgegangen" sei. Ursache sei der Landnutzungswandel. Am Beispiel der Wildbienen verdeutlichte sie, dass jede Art eine wichtige Rolle in der Biomasse spiele. Klein mahnte im Blick auf die heutige Landwirtschaft ein Umdenken an: die Agrarlandschaft müsse wieder vielfältiger werden, z.B. durch mehr Fruchtfolge auf dem Acker. Im Blick auf die Stadt und Gärten riet sie zu mehr heimischen Nektar- und Pollenpflanzen sowie Gehölzen. Wichtig für viele Insekten seien offene, sandige bzw. lehmige Böden. Auch die Kirchen könnten aktiv werden, indem sie Pachtverträge mit Naturschutzauflagen verbinden.

Biologie der Ergänzung

Der langjährige Präsident des badischen Imkerbundes Ekkehard Hülsmann (Appenweier) plädierte dafür, bei der Bewirtschaftung von Feldern nicht nur auf die Honigbiene, sondern im Sinne einer "Biologie der Ergänzung" auch auf die über 570 Wildbienenarten in Deutschland zu achten. Notwendig sei eine Überarbeitung der Bienenschutzauflagen. So sollten Pflanzenschutzmittel, die Wildbienen gefährdeten, eindeutig als "bienengefährdend" eingestuft werden. Dies sei bisher nicht der Fall.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Die Agraringenieurin Siegrun Höhne von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt sprach über Handlungsempfehlungen für die Umsetzung der Biodiversität in der Agrarlandschaft Sachsen-Anhalts. Vielfalt könne ein neues Produkt in der Agrarwirtschaft sein. Die einzigen, die das leisten können, seien die Landwirte, die diese Funktion auch historisch hatten. Damit entstehe auch eine "vertragliche Partnerschaft zwischen Land und Naturschutz auf Augenhöhe". Damit sich Biodiversitätsmaßnahmen auf Landwirtschaftsflächen praktisch umsetzen lassen, seien ausreichende Toleranzgrenzen und Flexibilität nötig. Die Maßnahmen des Naturschutzes würden so von Seiten der Landwirtschaft leichter akzeptiert.

Kommentare zum Agrarreport
"Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft" 

Kommentiert wurde auf der Tagung auch der im vergangenen Jahr veröffentlichte Agrarreport "Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft" des Bundesamtes für Naturschutz. Aus Sicht von Matthias Strobl (Schwäbisch Gmünd) von der Landesanstalt für die Entwicklung des ländlichen Raumes, zeige der Agrarreport, dass das Ziel, den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen, verfehlt worden sei. Es gebe "eklatante Rückgänge bei Ackerwildblumen, Vögeln der Agrarlandschaft und Insekten". Die negativen Trends seien ungebrochen. Auch bei den Biotoptypen der Agrarlandschaft gebe es "quantitativ und qualitativ bedeutende und anhaltende Verschlechterungen". Jochen Goedecke (Stuttgart) vom Naturschutzbund Deutschland thematisierte den teilweise massiven Insektenschwund in ganz Europa: "Ja, das Insektensterben gibt es wirklich!", wie zahlreiche Studien belegten. Die Ergebnisse des Agrarreports seien erschreckend: "Die Artenvielfalt nimmt drastisch ab und auch der Zustand der Lebensräume verschlechtert sich kontinuierlich". Es mache aber wenig Sinn, jetzt nach dem Schuldigen zu fragen. Vielmehr sei es nötig, aus der Vergangenheit zu lernen und nach vorne zu schauen, um Änderungen voranzubringen. Skeptisch äußerte sich Hubert God (Freiburg) vom Badischen landwirtschaftlicher Hauptverband (BLHV). Der Agrarreport sei aus seiner Sicht eher ein Naturschutzreport, der auf die Agrarlandschaft Bezug nehme. Die Forderung nach einer Agrarwende teile er nicht: "Wir werden nicht zurückkehren können zu einer Landwirtschaft wie im 19 Jahrhundert". So hätten 48% der Weltbevölkerung dank des industriell fixierten Stickstoffs Nahrung. God unterstrich, dass Bauern in erster Linie die Aufgabe hätten, Nahrungsmittel zu  erzeugen, Ziele wie die Biodiversität seien eher nachrangig.

Was tut die Kirche?

Was geschieht in der Evangelischen Landeskirche in Baden in Sachen Biodiversität? Florian Hahnfeldt (Karlsruhe) vom Projekt "Öko-fair-soziale Beschaffung" zeigte, dass die Artenvielfalt gerade im Rahmen der Beschaffung von Lebensmitteln ein Thema sei. Dabei orientiere man sich an etablierten Standards, Bio-Siegel garantierten z.B. den Ausschluss von chemisch-synthetischen Pestiziden und legten darüber hinaus zusätzliche Kriterien für den Schutz von Boden, Wasser und Luft an. Frank Philipp (Mosbach) von der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau berichtete über die Aktivitäten der Stiftung in Sachen Biodiversität. So gebe es neben ausgewiesenen Waldbiotopen (250 ha) Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden (1290 ha). Der Wald werde nach den Kriterien des naturnahen Waldbaus bewirtschaftet.

Schöpfung 2.0

Im Gottesdienst zur Tagung predigte Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele (Schwetzingen) über "Schöpfung 2.0". „Ei, wir tun dir nichts zuleide“ laute es im Kinderlied über die Bienen „Summ, summ, summ“. Leider sei es mit dem Wahrheitsgehalt dieses Satzes nicht mehr weit her: Das "Geschöpf Mensch" befinde sich im Aufruhr. Und am Ende sei niemand mehr vor unserer Spezies sicher. Schächtele drückte die biblische Hoffnung aus, dass Gott seine Schöpfung dennoch nicht sang- und klanglos dem Verderben preisgeben wird. Das göttliche Bekenntnis am Ende der großen Flut laute: „Ich will hinfort die Erde nicht mehr zerstören!“ Gott leiste Widerstand auch gegen das zerstörerische Wirken des Menschen.

Arbeitsgruppen zum Thema

Im Rahmen der Tagung fanden drei Arbeitsgruppen zum Thema statt: (1) Artenvielfalt in der Landwirtschaft (Matthias Strobl/Hermann Witter), (2) Artenvielfalt auf dem Acker: KraichgauKorn (Roland Waldi/Rolf Brauch) und (3) Schutz der biologischen Vielfalt in der Feldflur (Martin Klatt/Wolfgang Grahm). Darüber hinaus fand als Abendprogramm eine thematische Weinprobe mit dem Titel "Artenvielfalt im Glas" statt (Martin Schmidt).

Veranstalter der Tagung war die Evangelische Akademie Baden in Kooperation mit dem Kirchlichen Dienst Land (KDL), dem Büro für Umwelt und Energie der Evangelischen Landeskirche in Baden (BUE) und der Evangelischen Arbeitnehmerschaft Baden (ean).

Ralf Stieber, Karlsruhe, 5. März 2018


Weitere Beiträge 

Interview mit Prof. Dr. Alexandra-Marie Klein (Freiburg)

Predigt von Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele "Schöpfung 2.0"

Foto-Album zur Tagung in Facebook

Leserbrief

Email von Hubert God vom 7.3.2018 zum Tagungsbericht
 
Für weitere Kommentare zum Thema Biodiversität, zum Tagungsbericht oder zur Tagung bitte die Kommentarfunktion (unten) verwenden 

Neuen Kommentar verfassen

Keine Kommentare vorhanden