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Selbstbestimmung des Einzelnen verteidigen

Jahresempfang "Kirche und Recht" 2018: Digitalisierung im Fokus

Um den Datenschutz „für das Zeitalter von Big Data wetterfest zu machen“ hat sich der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, der Erlanger Theologe Peter Dabrock, für eine neue „Output-Orientierung“ ausgesprochen, im Gegensatz zum traditionellen Recht auf informative Selbstbestimmung. Angesichts der Technik, die „aus zahllosen Informationen kleinste Datenpunkte erzeugt, diese auf Muster durchsucht und daraus Prognosen für zukünftige Entwicklungen ableiten kann“, gelte es, „in einer konzertierten Aktion aller Kräfte der Gesellschaft die Selbstbestimmung des Einzelnen zu verteidigen oder sogar zurückzuerobern“. Die Digitalisierung stand im Mittelpunkt des diesjährigen Jahresempfangs der katholischen und der evangelischen Kirche für die Bundesgerichte, die Bundesanwaltschaft und die Rechtsanwaltschaft in Karlsruhe. Das Grußwort der Justiz sprach der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle. Den Rahmen bildeten Beiträge des evangelischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) sowie des katholischen Erzbischofs Stephan Burger (Freiburg).

Quelle: Artis Foto /Uli Deck
Beim Jahresempfang Kirche und Recht (v.li): Tobias Licht (Bildungszentrum Karlsruhe), Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, Bettina Limperg (Präsidentin des Bundesgerichtshofs), Andreas Voßkuhle (Präsident des Bundesverfassungsgerichts), Peter Dabrock (Theologe Universität Erlangen), Erzbischof Stephan Burger und Arngard Uta Engelmann (Direktorin der Evangelischen Akademie Baden).
Quelle: Artis Foto /Uli Deck
Der Theologe Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, während seines Vortrags
Quelle: Artis Foto /Uli Deck
Blick in den Albert-Schweitzer-Saal

Würde des Menschen ist granularisierbar

 

In seinem Vortrag „Die Würde des Menschen ist granularisierbar. Muss die Grundlage unseres Gemeinwesens neu gedacht werden?“ mahnte der Ethiker Dabrock an, rechtzeitig zu handeln. Es müsse verhindert werden, dass „die reale Ausübung von Freiheit und Selbstbestimmung sich so einengt, dass sich ernsthaft die Frage stellt, ob der Mensch hinreichend freiverantwortlich handeln und entscheiden kann“. Dabrock bezeichnete es als äußerst beunruhigend, dass dieser Prozess „auf leisen Sohlen daherkommt und sich in kleinen Schritten vollzieht, die man nicht merkt, bis es schließlich zu spät ist“.

Die „Grundidee einer zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit jenseits von Filterblasen und Echokammer“ müsse gewürdigt werden. Zugleich müsse „das Außerordentliche, das Abweichende, das Verletzliche als zentrale Momente von Individualität gefördert und gesellschaftlich hoch gehalten werden“, so Dabrock. Die Menschen dürften sich „nicht einschläfern lassen von Normalitätsvorstellungen, die uns große Internetplattformen aufzwängen“.

Die Kirche könne sich, so Dabrock, gleich mehrfach einbringen: Sie stelle eine Plattform bereit, die nicht auf Ökonomie setze, sondern die universale Botschaft des Heils lokal und global bezeuge. Mit ihrem Auftrag, Verletzlichkeit wahrzunehmen, Freiheit zu stärken, Pluralität zu würdigen, Inklusion zu befördern und „der Stadt Bestes zu suchen“, stehe sie der „Granularisierung der Menschenwürde“ entgegen.

Landesbischof fordert breite gesellschaftliche Diskussion

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh forderte „eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Fragen des Datenschutzes und ethisch begründete rechtliche Regelungen für den Umgang mit den Datenspuren, die wir im Netz hinterlassen“. Zumal die Daten in Zukunft immer stärker „durch kaum kontrollierbare Systeme künstlicher Intelligenz ausgewertet und zu einem Bild zusammengefügt werden, das sich ökonomisch und politisch verwerten lässt“. „Für uns als Kirchen klingt mit dem Begriff der Würde die Frage nach dem Geheimnis einer Person an, das nur Gott kennt und das es zu wahren gilt“, so Landesbischof Cornelius-Bundschuh. Auch die Kirchen wollten Verantwortung dafür übernehmen, dass auch zukünftige Generationen nicht auf ihre „Granulate“ reduziert würden, sondern in ein „Gemeinwesen hineinwachsen, das das hochauflösende digitale Bild, das das Netz von jeder Person generiert, nicht mit dem Geheimnis und der Würde dieser Person verwechselt“, so der Landesbischof.

Erzbischof: Die Menschenwürde schützen

Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) dankte Dabrock dafür, dass er deutlich mache, wie es möglich sei, die Menschenwürde zu schützen – „jenseits kulturpessimistischer Verteufelung der neuen Technik, vor allem aber auch jenseits einer verbreiteten, undifferenzierten Fortschrittseuphorie oder auch nur eines resignativen ,es ist ja doch nichts mehr zu ändern‘“, so der Erzbischof. Die Kirche sei bereit, ihren eigenen Beitrag zum Wohl des Ganzen von Gesellschaft und Staat zu leisten, betonte der Erzbischof.

Im „Foyer Kirche und Recht“ tauschen sich seit 2007 in Karlsruhe Mitglieder der höchsten Gerichte und die Kirchen über Fragen aus, die die Gesellschaft, die Kirchen und das Rechtswesen bewegen. Das Forum seitens der Evangelischen Landeskirche in Baden leitet Akademiedirektorin Arngard Uta Engelmann, seitens der Erzdiözese Freiburg Tobias Licht (Bildungszentrum Karlsruhe).

 
Doris Banzhaf - Chefin vom Dienst im Zentrum für Kommunikation (ZfK) der Landeskirche, 15.5.2018