Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden e.V. Quelle: Evangelische Akademie Baden
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Dr. Alexa Maria Kunz
Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e. V.
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Glockenläuten in Bad Herrenalb (Video-Clip)

Akademiepreis2016

Akademiepreis für die Palliativmedizinerin und Theologin Prof. Dr. Gerhild Becker

Der ärztlichen Direktorin der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Freiburg, Prof. Dr. med. Gerhild Becker, ist am Sonntag der Bad Herrenalber Akademiepreis 2016 verliehen worden. Ausgezeichnet wurde damit ihr Impulsvortrag „Palliativmedizin und Suizidprävention“ auf der ökumenischen Akademietagung „zu(m) Ende denken. Herausforderung Suizidbeihilfe“, die 2015 die gesellschaftlichen und ethischen Fragen der Suizidbeihilfe diskutierte.

 

Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Für den Vorstand des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e.V. überreichte Prof. Dr. Traugott Schächtele den Akademiepreis an die Preisträgerin Prof. Dr. Gerhild Becker
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Akademiedirektorin Arngard Uta Engelmann
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Preisträgerin Prof. Dr. Gerhild Becker und die Laudatorinnen Akademiedirektorin Arngard Uta Engelmann und Dr. Verena Wetzstein
Quelle: Ralf Stieber, Karlsruhe
Akademiedirektorin Arngard Uta Engelmann, Preisträgerin Prof. Dr. Gerhild Becker, Renate Kreplin und Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin (v.l.)

Die Preisverleihung begann mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kapelle der Akademie. Die Predigt hielt Pfarrerin Arngard Uta Engelmann, die Liturgie wurde von Mitgliedern des Akademiekollegiums gestaltet und Kirchenrat Dr. Martin Kares begleitete an der Orgel.

Großes Engagement

Akademiedirektorin Pfarrerin A. Uta Engelmann (Karlsruhe) würdigte in ihrer Laudatio die außergewöhnliche Interdisziplinarität, die die Preisträgerin in die verschiedenen ethischen Diskurse zum Lebensende eintrage. Die habilitierte Medizinerin und Diplomtheologin Becker ist auch Caritaswissenschaftlerin und MSc of Palliative Care (London). 2013 wurde sie von der Evangelischen Kirche in Baden als Pfarrerin im Ehrenamt ordiniert. Neben der Arbeit in Wissenschaft und Lehre zeige auch das gesellschaftspolitische Eintreten der Preisträgerin für die Interessen Sterbender und unheilbar Kranker ihre Verbindung zur Akademiearbeit, seien doch die kirchlichen Akademien für den Diskurs rund um eine Ethik am Lebensende immer schon wichtige Orte gewesen, um den gesellschaftlichen Diskurs voranzutreiben.

Engelmann dankte der Preisträgerin, dass sie diese Arbeit mit ihrem Interesse und ihrem großen Engagement unterstütze. Es sei eine Ehre für die Evangelische Akademie, deren vornehmstes Ziel es sei, unterschiedliche Wissenschaften in den Dialog mit der Theologie zu bringen und bei ethischen und gesellschaftlich relevanten Themen zur Meinungsfindung beizutragen. So waren die Akademien 2013 und 2016 Mitveranstalter der ersten beiden Hospiz-und Palliativkongresse in Baden Württemberg, die von 1400 Personen besucht worden waren. Als Leiterin des KompetenzZentrum Palliative Care Baden-Württemberg (KOMPACT) hatte Becker an beiden Kongressen mitgewirkt.

Dr. Verena Wetzstein von der Katholischen Schwesterakademie in Freiburg hob neben der entschiedenen Positionierung der Preisträgerin für das Anliegen der Palliative Care und die Sorge um die Kranken und sterbenden Menschen den guten ökumenischen Dialog hervor, für den Becker stehe.

Das rechte Maß finden

In ihrem Festvortrag sprach Becker über „Die Angst vor dem Sterben“. Patienten müssten heutzutage keine Angst mehr davor haben, hilflose Opfer einer seelenlosen Apparatemedizin zu werden. Waren bis zu den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts technische Fortschritte in der Medizin meist auch Fortschritte für die Rettung von Leben gewesen, käme es nun darauf, das rechte Maß zu finden, um unheilbar Kranken und Sterbenden das Leben leichter zu machen und Schmerzen zu lindern, ohne die Grenzen des Todes zu verschieben. Nicht alles technisch Machbare sei immer auch die angemessene und optimale Therapie.

Die Preisträgerin forderte bessere Aufklärung in der Gesellschaft über die Möglichkeiten der modernen Palliativmedizin, die in weit über 95% Schmerzen gut behandeln könne. Akademien seien ein guter Ort, um solche Aufklärung zu leisten und auch ethische Urteilbildung zu ermöglichen. Becker erläuterte, wie vielen Menschen es Angst mache, „dass wir den Tod so gar nicht kontrollieren können“, er bleibe unverfügbar. Auch auf die sozialen Ängste durch das Lebensende wies Becker in ihrem Vortrag hin.

Schatz kirchlicher Traditionen

Die Preisträgerin bezeichnete den Schatz, den die kirchlichen Traditionen für den Sterbeprozess bereithielten, als kulturelles Kapital. Rituale etwa, die bekannt und üblich seien, erleichterten den Umgang mit dem Sterben auch für die Begleitenden. Vielfach böten auch Texte und Lieder eine hilfreiche „Stellungnahme zur grundliegenden Fragilität der menschlichen Existenz“.

Prof. Dr. Traugott Schächtele überreichte den Akademiepreis für den Vorstand des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e.V., der Stifter des Akademiepreises ist. Der mit 2000 EUR dotierte Preis wurde zum 25. Mal verliehen.

Ralf Stieber, Karlsruhe/Bad Herrenalb, 18.1.2017