Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden e.V. Quelle: Evangelische Akademie Baden
Prospekt Freundeskreis

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Ansprechpartner
Dr. Alexa Maria Kunz
Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Baden e. V.
Glocke in Bad Herrenalb

Glockenläuten in Bad Herrenalb (Video-Clip)

Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden e. V.

Geschichte des Freundeskreises bis 2003

 „Eine Akademie braucht Freunde“ – dieser Gedanke ist in den Annalen der Evangelischen Akademie Baden seit allem Anfang zu finden, bald in die Tat umgesetzt worden und seither lebendig geblieben.

Gründung 1949

Schon im Oktober 1949 nämlich sammelte sich um deren ersten Leiter, Dr. Friedrich Schauer , ein Kreis von Männern und Frauen, die den Gedanken einer Evangelischen Akademie ins Land zu tragen und mit ihrem Beitrag deren Arbeit zu bereichern bereit und entschlossen waren. Denn „die Begegnungen in der Akademie zwischen Vertretern der Kirche und des weltlichen Lebens haben uns geholfen, unsere Berufsarbeit und unser öffentliches Wirken an den Grundlagen christlichen Denkens zu prüfen und neu auszurichten.“ Diesem, zunächst als „Gesellschaft der Freunde der Akademie“ bezeichneten, losen Zusammenschluss mit dem Schriftführer Karl Müller , Direktor der Städtischen Gaswerke in Offenburg, erschien es nötig, „durch einen Zusammenschluss der Tagungsteilnehmer der Akademie sowohl dem Oberkirchenrat wie der Synode gegenüber einerseits unsere Dankbarkeit für die bisherige Arbeit der Akademie zu bekunden, andererseits von uns aus einiges zur Weiterführung der Arbeit beizutragen.“

1950-1969

Im Januar 1950 fand sich dieser Kreis – mit immerhin 60 Teilnehmern, Männern und Frauen, – zu einer ersten Tagung zusammen; man gab sich die Bezeichnung „Freundeskreis der Evangelischen Akademie in Baden“, fasste einen Beschluss über Inhalt und Organisation gemeinsamer Arbeit, der nunmehr als „vorläufige Satzung“ galt. Zwar wählte man – noch nicht – die Form einer eigenen juristischen Person, aber ein gewählter „Arbeitsausschuss“ vertrat die Interessen des Freundeskreises gegenüber der Kirchenleitung. Es ging in diesem Zeitpunkt um die Fortführung der, in Baden eben erst begonnenen, Akademiearbeit; Laien wollten ideell und materiell Verantwortung übernehmen für diesen Versuch einer Verzahnung von beruflichem Tun und gelebtem Glauben. Dafür erschien nach dem Verlust der ersten Tagungsstätte der Evangelischen Akademie, der Falkenburg in Bad Herrenalb, die Beibehaltung des Standortes Herrenalb als wichtige Voraussetzung. Beides, Ort wie Inhalt für die Fortführung einer Evangelischen Akademie in Baden, waren dann im Februar 1950 Gegenstand eines grundlegenden Gesprächs zwischen dem Evangelischen Oberkirchenrat und dem Freundeskreis unter – so weist es das Protokoll aus – engagierter Beteiligung auch des Gründungsmitglieds Wilhelm Freiherr von Lersner . Die „Charlottenruhe“ erschien im Blickfeld.

"Aufgabe

Der Freundeskreis stellt sich der Aufgabe, an der Vertiefung und Verbreitung des auf der Akademie Gegebenen mitzuarbeiten durch Pflege einer lebendigen Verbindung der alten und Hinzuführung neuer Teilnehmer. Er will die Akademie , soweit ihm möglich, ideell und materiell stützen. Er sieht seine besondere Aufgabe in der Schaffung eines neuen, im Geiste von Herrenalb aufzubauenden Standorts der Akademie."
(Vorläufig Satzung vom 22.1.1950)



In diesen Gründungsjahren war die Evangelische Akademie in Baden nicht auf einen zentralen Ort für Tagungen und Begegnungen beschränkt. Dezentral entfaltete sich Vortragsleben, getragen von einem je örtlichen Freundeskreis; so besonders im Bereich Lahr und im angeschlossenen Offenburg. In den 60er Jahren sind dort von einem lebendigen Kreis verantwortlicher „Freunde der Akademie“, im Zusammenwirken auch mit der Ortsgemeinde, ganze Vortragszyklen über Theologie und gesellschaftspolitische Fragen initiiert worden. Maßgeblich beteiligt an dem damaligen „Denkweg der Gegenwart“ von Christen mit Christen und für andere war Heinz Kaufmann . Als langjähriges Vorstandsmitglied im Freundeskreis der Evangelischen Akademie war er viele Jahre eine lebendige Brücke zu den Anfängen dieser gemeinsamen Arbeit und Verantwortung. – Auch in Karlsruhe, Pforzheim und Rastatt gab es Kreise, die sich – als „Freunde der Evangelischen Akademie“ – regelmäßig zu Vortrag und Austausch über biblische und Gegenwartsfragen trafen. Von ihnen ist Frau Weiland-Ewert, lange Jahre Vorstandsmitglied, – als engagierte Stimme bei Mitgliederversammlungen bekannt.

Die Mitgliederzahl in dem solchermaßen organisierten und lebendigen „Freundeskreis der Akademie“ nahm ständig zu, bis er 1969 die Zahl von 257 und ein Vermögen von 12.000 DM erreichte.

1969-1970

Dem so bezeichneten „Sprecher“ dieses Freundeskreises, Rechtsanwalt Dr. von Schröter , fiel im Jahre 1969 die Aufgabe zu, die Mitglieder des bereits bestehenden Freundeskreises für den nunmehr gegründeten „Verein zur Förderung der Evangelischen Akademie Baden e. V.“ zu gewinnen, den bisherigen Freundeskreis selbst aufzulösen und dessen Vermögen in die Neugründung zu überführen. Dort übernahm Dr. Rothfritz den Vorsitz – von vornherein aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen auf ein Jahr (1969-1970) begrenzt.

Anlass für diese Neugründung war zum einen die Erwägung, dass mit der rechtlichen Gestalt eines eingetragenen Vereins der Status der Gemeinnützigkeit zu erreichen war. Zum anderen sollte die eigene Rechtsperson für die Arbeit Evangelischer Akademie das bisher schon gezeigte Maß an Unabhängigkeit gegenüber dem Evangelischen Oberkirchenrat bedeuten. Schließlich erschien es für eine kirchenpolitisch zunehmend pluralistische Arbeit sinnvoll, die Ziele eines Zusammenschlusses von Freunden oder Förderern der Akademiearbeit deutlicher zu definieren.

Nicht alle, die die Arbeit der Akademie bisher mitgetragen hatten, konnten sich der Neugründung anschließen. Schon deren Name – „nomen est omen“ – bedeutete ein Hindernis. So ist im Protokoll vermerkt: „Freunde sind eben etwas anderes als Förderer.“ Bei dem mehrheitlichen Beschluss über den Übergang auch des Vermögens war den einstigen „Freunden“ wichtig die Sorge um und für eine der vielen Evangelischen Kirchen in Indonesien (Ost-Java). Dorthin hatte Pfarrer Soejatno – 1960 Mitarbeiter der Evangelischen Akademie Baden – den Gedanken einer Evangelischen Akademie mitgenommen, die „Freunde“ in der Badischen Landeskirche hatten für die in Malang/Surabaja gegründete Akademie eine Sponsorenschaft übernommen. Diese ökumenische Weite wurde durch eine Vereinbarung auf den neu gegründeten Verein übertragen, der sich für zumindest vier Jahre zu weiterer Zahlung von, wie bisher, je 1.000 DM pro Jahr verpflichtete.

1970-1972

1970 zählte der neu gegründete Verein – nunmehr unter dem Vorsitz von Dipl. Ing. Häseler (1970-1972) – 171 Mitglieder. Die Einnahmen sind mit 9.200 DM vermerkt; sie dienen zu dieser – und in der gesamten Folgezeit – ausschließlich der Arbeit der Evangelischen Akademie. Der Freundeskreis unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit der Akademie, fördert deren Publikationen und stiftete schließlich den Bad Herrenalber Akademiepreis.

1968 erschienen erstmals die „Diskussionen. Zeitschrift für Akademiearbeit und Erwachsenenbildung“, mit dem Ziel, über die Akademiearbeit zu „[...] berichten, sie weiteren Kreisen bekannt machen, wichtige Themen unserer Zeit zur Diskussion stellen.“ Anfangs v on der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung und dem Freundeskreis finanziell gemeinsam getragen, übernahm der Freundeskreis 1994 die finanzielle Verantwortung für dieses publizistische Organ größtenteils und erreichte unter der Zusatzbezeichnung „Zeitschrift für Freunde der Akademiearbeit“ – „[...] einen großen Kreis von Beziehern, erfreulicherweise gerade auch unter der Pfarrerschaft“ (die Zeitschrift erschien bis 1999).

1973-1982

Nach der unerwarteten Krankheit und dem frühen Tod des bisherigen Vorsitzenden übernahm dann Dr. Harald Bilger (1973-1982) die in der Satzung festgelegte Aufgabe ideeller und finanzieller Unterstützung der Akademiearbeit. Der Förderverein beschreibt seine Ziele mit den Worten von Akademiedirektor Dr. Böhme an neu zu gewinnende Mitglieder:

„Der Verein möchte der Leitung der Akademie Anregungen für ihre Arbeit geben, sie bei der Planung der Tagungen und bei der Gestaltung der Programme beraten und ihr bei der Gewinnung von Referenten und Teilnehmern helfen [...] Der Verein möchte Einzelpersonen und Berufsgruppen an der Arbeit der Akademie interessieren und so einen Beitrag zur 'Seelsorge an der modernen Gesellschaft' leisten.“

In diesem Jahrzehnt war der Förderverein außerordentlich und mit großem Erfolg darum bemüht, insbesondere in der Industrie einen Kreis von tatkräftigen Spendern zu finden. Die alljährlichen Weihnachtsbriefe des Vorsitzenden geben ein Zeugnis davon, wie die Mitglieder um das Ziel einer „Weltinterpretation aus christlichem Glauben“ bemüht waren. 1979 ist die Mitgliederzahl auf 189 und die Einnahmen auf 17.200 DM gewachsen.

1982-1994

Anfang der 80er Jahre (1982) ging der Vorsitz auf Jobst Freiherr von Cornberg (Baden-Baden) über, der dieses Amt bis 1994 innehatte. In diesem Zeitraum entfaltet sich zunächst für den Förderverein selbst eine wichtige Initiative: 1984 wird das erste „ Akademiefest “ gefeiert und findet so regen Zuspruch und Anklang, dass es seither alljährlich mit der Akademie zusammen ausgestaltet und vom Freundeskreis finanziell getragen wird. Heitere Stunden verbinden sich mit den ernsten Themen der Akademiearbeit. In die Erinnerung der Teilnehmer – für die Chronistin in Fotografien erkennbar – gehört die musikalische Ausgestaltung der Abende, an denen der Vorsitzende oft selbst maßgeblich beteiligt war. Insofern lag es nahe, dass der Freundeskreis sich in jenem Jahr bei der Anschaffung eines Flügels für das Haus der Kirche finanziell engagierte. – Aber auch im Gegenüber zu kirchenleitenden Gremien, und somit nach außen hin, wurde ab der Mitte der 80er Jahre der Förderkreis initiativ: Es geht dabei um nichts Geringeres als um die Erhaltung des „Hauses der Kirche“ als Tagungsstätte der Evangelischen Akademie; um die Wiederbesetzung der Stellen der aus Altersgründen scheidenden Akademiedirektoren Dr. Böhme (1987) und Langguth (1990); und es geht schließlich um die Neustrukturierung der Evangelischen Akademie als einer Abteilung des im Evangelischen Oberkirchenrat neu gebildeten Referates „Verkündigung, Gemeinde und Gesellschaft“. An allen diesen grundlegenden Fragen ist der Freundeskreis durch Anträge an die Landessynode, durch Gespräche mit dem Landesbischof und Vertretern des Kollegiums des Evangelischen Oberkirchenrats, schließlich durch die Beteiligung am so genannten „Hearing“ der Synodalen Begleitkommission der Landessynode beteiligt.

Diese Grundsatz(an)fragen an die Akademiearbeit lösten Anfang der 90er Jahre auch Strukturüberlegungen des Förderervereins selbst aus. Nach der neuen „Ordnung der Evangelischen Akademie“ (1991) und der Einführung der nunmehr fünf – mit halber Kraft in anderen Aufgaben verorteten – Akademiedirektoren wurde 1992 auch eine neue Satzung verabschiedet. Sie brachte neben verfahrensmäßigen Erleichterungen – das Quorum bei Abstimmungen, die Reduzierung auf wieder nur fünf Mitglieder des Vorstandes und deren Amtsperiode von drei Jahren – vor allem eine Änderung des Namens. Man kehrt auf vielseitigen Wunsch und in allseitigem Einverständnis auf die ursprüngliche Bezeichnung als „Freundeskreis“ zurück. Aber auch inhaltlich führte die Diskussion über Ziel und Aufgabe der Mitglieder zu einem neuen Akzent, nämlich der Stiftung des „ Bad Herrenalber Akademiepreises “. Der Freundeskreis vergibt nunmehr alljährlich einen Preis, mit dem er den Autor eines herausragenden Vortrags aus den Tagungen der Akademie würdigt. Preiswürdig sind „Autoren, deren Beiträge in besonderer Weise den Zielen kirchlicher Akademien entsprechen, indem sie das Gespräch zwischen Kirche und Gesellschaft, insbesondere zwischen Theologie und anderen Wissenschaften, fördern und zur Orientierung helfen.“ Dieser Preis wurde erstmals 1992 verliehen. – Zudem wurde für die publizistische Möglichkeit der Akademiearbeit der Zeitungsausschnittsdienst finanziell durch den Freundeskreis übernommen. Bis zu diesem Jahr ist die Mitgliederzahl nunmehr auf 262 gestiegen, das Finanzvolumen betrug auf der Einnahmenseite 14.600 DM.

Die Frage der Erhaltung des „ Hauses der Kirche “ als einer eigenständigen Tagungsstätte der Akademiearbeit hatte den Freundeskreis erstmals 1989 beschäftigt und zu einem entsprechenden Antrag an die Landessynode im Frühjahr 1990 geführt. In der Begründung wird – wie schon in allen Anfängen 40 Jahre zuvor – die enge und unverwechselbare Verknüpfung des Ortes Bad Herrenalb mit der inhaltlichen Arbeit der Evangelischen Akademie Baden angeführt. Die Landessynode gab diesem Antrag statt und beschloss, das Tagungshaus in Bad Herrenalb zu erhalten. Aber bereits im Verlauf des Jahres 1991 war – angesichts der erkennbar enger werdenden Finanzmittel der Kirche – diese Problematik noch einmal auf die Tagesordnung der Landessynode gekommen. Darum stellte der Freundeskreis im Herbst 1992 ein zweites Mal – gestützt durch eine Unterschriftenaktion seiner Mitglieder – den Antrag auf Erhalt und Umbau dieses Tagungshauses. Endlich entschied – Frühjahr 1993 – sich die Landessynode bei wenigen Gegenstimmen für den Umbau des „Hauses der Kirche“. Das Bauvorhaben war bestimmt durch eine genau begrenzte Bausumme, durch eine feste zeitliche Zielvorgabe und durch die alleinige Verwendung von Geldern aus Umschichtung landeskirchlichen Vermögens.

1994-2003

Im Sommer 1994 wurde der Vorsitz des Freundeskreis an Dr: Helga Gilbert (Kalrsruhe) übergeben. Im Januar 1995 initiierte die Akademie gemeinsam mit dem Freundeskreis einen Tag von „Abschied und Anfang“ in dem für viele Tagungsteilnehmer erinnerungsträchtigen „Haus der Kirche“. Spätestens hier war deutlich, dass der finanziell eng gesteckte Rahmen für den Umbau des Hauses die Ausgestaltung der Tagungsstätte sehr begrenzen würde. Der seit der Gründung des Freundeskreises lebendige Gedanke einer auch materiellen Beteiligung an der Weiterführung der Arbeit wurde aktualisiert und fraglos bejaht. Daher riefen die Evangelische Akademie und der Freundeskreis einen Spendenaufruf für drei unterschiedliche Projekte ins Leben: die Kapelle als Raum für Andacht und Besinnung; ein Kunstobjekt als Zeichen der Akademie für die in ihr gelebte Gesprächskultur; und eine elektronische Anlage für Tagungen im Musikbereich. Bei der Mitgliederversammlung im Sommer 1995 beschloss der Freundeskreis, aus diesem Spendenvorhaben als seinen eigenen Beitrag die Gestaltung der Kapelle zu übernehmen. Schon aus Kostengründen sollten die Mauern der früheren Kapelle beibehalten, die Lichtführung aber verändert und die Fenster künstlerisch gestaltet werden. Außerdem sollte von nun an eine Glocke zu Gottesdienst und Gebet rufen.

Mit den Spendenbriefen an Vertreter und Institutionen in Kirche und Gesellschaft, an die Mitglieder des Freundeskreises und deren Freunde, war – erstmals – ein Spendenvorhaben für einen Bau auf landeskirchlicher Ebene ins Leben gerufen. Die Spendenaktion fand einen fast unerwartet reiches Echo, die künstlerische Gestaltung der Kapelle wurde Professor Johannes Hewel , Stuttgart, anvertraut. Bei der Wiedereröffnung der Tagungsstätte im Januar 1997 konnte der Freundeskreis die künstlerische Ausgestaltung der Kapelle mit ihrer Glocke und mit einer kostbaren Altarbibel an die Landeskirche als ein Geschenk übergeben. Die Glocke erinnert in ihrer Inschrift an die Kirchenunion in Baden von 1821; sie nimmt – in einem sehr weit gefassten Sinn – die Einladung Jesu aus der Abendmahlsliturgie auf: „Kommt, denn es ist alles bereit“. –

Die Fenster der Kapelle, eingefügt in die von Kirchenbaudirektor Wein gefundene Architektur, ermuntert zu genauem und geduldigem Hinsehen als Gegenhaltung zur vordergründigen und schnelllebigen Sichtweise in der Bilderflut unserer Zeit. Durch den Künstler wird das unverbildete kindliche Sehen und Empfinden im erwachsenen Betrachter geweckt – er wird eingeladen, auf Entdeckungsreise zu gehen und sich überraschen zu lassen: da finden sich das Ganze und seine Teile, Linien und Punkte, Positivform und Negativform, Farbe und Nichtfarbe, Zartes und Kraftvolles. Die gesamte Kapelle wirkt mit ihren kühlen Farben entmaterialisiert – transzendent – als Gegenraum zu den übrigen Räumen des Hauses, die in warmen Farben gehalten sind. Die Fenster also ein Geschenk des Freundeskreises, das bei den Besuchern des Hauses und der Tagungen zu vielen, und sei es divergenten, Gesprächen Anlass geben wird. An diesem Tag zählte der Freundeskreis 300 Mitglieder, die Einnahmen betrugen im Jahre 1995 17.200 DM.

„Eine Akademie braucht Freunde“ – das wird sich in den nächsten Jahren verstärkt erweisen, denn die zurückgehenden Finanzmittel der Kirche – jedenfalls die, die von der Steuergesetzgebung abhängig sind, – werden zu Einschnitten führen. Einmal mehr wird Kirche „Baustelle“ sein; und die Evangelischen Akademien mit ihr. Wir dürfen darauf vertrauen, dass auch diese Veränderung nach den Bauplänen Gottes verläuft und darum neue Möglichkeiten erschließt. Es ist absehbar, dass – wie vor 50 Jahren zur Gründungszeit Evangelischer Akademien – die Mitwirkung aller Christen an kirchlichem Leben neu entdeckt und gestärkt werden muss; auch für die Aufgabe der Evangelischen Akademie in Baden. In den Annalen des Freundeskreises findet sich ein Brief von einem der Gründungsväter der Akademiearbeit in Deutschland, Dr. Eberhard Müller in Bad Boll, an den Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe vom Februar 1947; er ist voller Aufbruchstimmung im Blick auf die Verankerung Evangelischer Akademien. Dort heißt es, als sei es für heute geschrieben:

„Ich halte es aus geistlichen Gründen für wichtig, dass bei einer Arbeit, die in besonderem Laien erfassen will, diese auch in der Verantwortung mitbeteiligt werden. Auch nach der wirtschaftlichen Seite hin [...]“

Dass der Freundeskreis in rechtlich festgelegter Unabhängigkeit von kirchlicher Verwaltungsstruktur – wie in den Jahrzehnten bisher – eigene Initiativen entfalten kann, wird dabei Hilfe und Verpflichtung sein.

Es ist nicht Euphorie angesagt, wohl aber die Pflege einer Gemeinsamkeit, die zwischen den Akademiedirektoren und den Mitgliedern des Freundeskreises über Jahrzehnte hin gewachsen ist. Es ist dies eine Beziehung, die – anders als bei anderen so bezeichneten „Selbstvertretungsorganen“ unserer Landeskirche – der rechtlichen Festlegung und der Pflicht zu gegenseitiger Absprache fast ganz entbehrt. Alles entscheidet sich an der gegenseitigen Bereitschaft zum Mit- und Füreinander. Über diese Wechselbeziehung ist – schon 1949 – in einem Faltblatt der Evangelischen Akademie gesagt:

„Soweit es den Freunden möglich ist, bitten wir auch um Ihren Rat und die Äußerung Ihrer Wünsche für die Gestaltung der Arbeit. Und es wird alles versucht werden, dem zu entsprechen. Und schließlich wären wir für Fürbitte dankbar. Wer sie einhalten kann, ist dadurch einer bestimmten Schar eingereiht, deren Fürbitte auch ihn mittragen wird.“

Auch in der Außenwirkung ist die Gemeinsamkeit von Freundeskreis und Akademie heute erkennbar. Dazu zählen: Die Einladung von Vorstandsmitgliedern zu dem jährlichen Planungsgespräch für Tagungen; in der Gewährung eines eigenen Dispositionsfonds für jeden der Akademiedirektoren aus dem Haushalt des Freundeskreises; an der Mitgestaltung der Zeitschrift „Diskussionen“ durch den Vorstand des Freundeskreises; an der Verleihung des Bad Herrenalber Akademiepreises als einem festlichen Ereignis über die Grenzen der Akademie selbst hinaus; schließlich der Ablauf und die Ergebnisse der gemeinsamen Spendenaktion, die zu vielen Gesprächen zwischen dem Vorstand des Freundeskreises und den Direktoren der Evangelischen Akademie Anlass gaben und zu einverständlichen Lösungen führten.

2003 schied Dr. Helga Gilbert aus dem Vorstand des Freundeskreises aus, mit ihr auch der langjährige stellvertretende Vorsitzende, Prof. Dr. Gerhart Schüring (Ettlingen).

(Verfasst von Dr. Helga Gilbert, ergänzt von Ralf Stieber)