Quelle: © Jan Becke - stock.adobe.com
Facebook Twitter YouTube RSS
Ansprechpartner
Quelle: Privat
Claudia Rauch
Referentin für gesellschaftspolitische Jugendbildung
Youth Academy
Telefon: 0721-9175362
E-Mail
Quelle: Privat
Max Wejwer
Referent für gesellschaftspolitische Jugendbildung
Youth Academy
Telefon: 0721-9175445
E-Mail
Veranstaltungstipps

Wir sollten die Chancen, die uns Vielfalt bietet, nutzen

Interview mit Claudia Rauch zum Projekt "Diversity"

Seit zwei Jahren ist das Projekt „Diversity“ in die Arbeit der Evangelischen Akademie Baden und des Kinder- und Jugendwerkes Baden eingebunden. Es möchte zum einen Jugendliche und junge Erwachsene erreichen, die das Thema interessiert. Zum anderen wendet es sich an Multiplikator*innen, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind. Zu ihnen gehören alle Haupt- und Ehrenamtlichen, die mit Jugendlichen in der Schule oder in der Freizeit zu tun haben. Verantwortlich für das Projekt sind Pfarrerin Claudia Rauch aus Karlsruhe und der Referent für gesellschaftspolitische Jugendbildung Sascha Nowara aus dem Kirchenbezirk Villingen. Ekiba intern hat mit Claudia Rauch über das Projekt gesprochen.

Was ist das Ziel des Projektes?

Claudia Rauch: Wir haben zwei wichtige Ziele: Wir möchten Jugendlichen bewusst machen, dass unsere Gesellschaft heute vielfältig ist und dass es nicht nur die eine, sondern viele Sichtweisen und Lebensmöglichkeiten gibt. Außerdem will das Projekt Jugendlichen unter dem Dach der Akademie einfach attraktive Veranstaltungen anbieten. Im Bereich der Jugendarbeit können Jugendliche an anderen als den herkömmlichen Stellen in Kontakt mit der Kirche kommen.

Was verstehen Sie unter „Diversity“?

Claudia Rauch: Es geht um Vielfalt. Wir möchten Jugendliche für den Gedanken sensibilisieren, dass es normal ist, verschieden zu sein. Es geht darum, die eigene Sicht zu reflektieren und andere Sichtweisen zu akzeptieren. Vielfalt und Buntheit gehören zum eigenen und zum Leben der Anderen dazu. Wir sollten die Chancen, die uns diese Vielfalt bietet, nutzen!

Warum ist „Diversity“ ein Thema in der evangelischen Kirche? Es geht doch um den einen Gott, oder?

Claudia Rauch: Wenn wir von Gott reden,  reden wir ja schon von Vielfalt. Jede und jeder von uns hat seine/ihre eigene Vorstellung von Gott. Der Gottesbegriff ist schon an sich vielfältig. Die biblische Trinität Vater, Sohn und Heiliger Geist ist keine eindimensionale Sache. Sich darüber zu verständigen, ist ein Teil unserer kirchlichen Arbeit. Wichtig ist, dass wir bei den unterschiedlichen Gottesvorstellungen immer auch das Verbindende sehen. Insofern ist der Umgang mit der Vielfalt natürlich auch eine Herausforderung.

Welche Facetten von „Diversity“ sind Ihnen noch wichtig?

Claudia Rauch: Uns kommt es darauf an, das Thema „Vielfalt“ für Jugendliche ganz  konkret zu bearbeiten. Sie leben ja im Alltag in vielen heterogenen Bezügen – in der Familie, in der Schule und in der Freizeit – und erleben dort, dass „anders sein“ möglicher Hintergrund für ganz unterschiedliche Konflikte sein kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage sind natürlich Seminare zu interreligiösen und interkulturellen Themen besonders spannend. Wir bieten deshalb z.B. interkulturelles Training an. Dabei gibt es Übungen, in denen die Jugendlichen erfahren, wie es sich anfühlt, selbst fremd zu sein Ein anderer Workshop beschäftigt sich mit unterschiedlichen Schönheitsidealen, die stark kulturell, zeitlich bzw. durch die Darstellungen in den Medien geprägt sind. Diese Ideale beeinflussen stark das Selbstbild von Jugendlichen und ihr Handeln: Wer oder was ist eigentlich „schön“? Gibt es „die“ Schönheit? In einem Foto-Workshop werden wir ausprobieren, wie Fotos digital bearbeitet und verändert werden können und wie sich das auf unsere Schönheitsideale auswirkt. Wir überlegen außerdem, Fragen zum Zusammenleben verschiedener Generationen zu behandeln. Wenn die Großeltern durch Demenz „anders“ werden, betrifft das auch oft die Enkelkinder. Ein zukünftiges Thema wird auch die Verschiedenheit im Blick auf die sexuelle Orientierung und Identität sein. Gerade bei Heranwachsenden ist das ein elementares Thema.

Und welche Formate haben die Veranstaltungen?

Claudia Rauch: Da sind wir noch in der Erprobungsphase. Sicher ist aber, dass wir auch hier Vielfalt zeigen wollen. Es wird Nachmittags- und Abendveranstaltungen geben, Workshops oder ganze Wochenenden. Für Multiplikatoren/-innen bieten wir ein Methodentraining zum Thema an. Wir gehen auf individuelle Wünsche von Ältestenkreisen und Kirchengemeinden gern ein und passen unser Fortbildungsangebot auf Anfrage entsprechend an. Auch örtliche Vielfalt wollen wir bieten. Wir haben verschiedene Orte, wo die Veranstaltungen stattfinden, gehen Z.B. in Schulen, an öffentliche Veranstaltungsorte, in Kirchengemeinden, Konfi-Gruppen usw. . Wir sind offen für jede Anregung und freuen uns über Anfragen.

Und wie finanziert sich das Projekt?

Claudia Rauch: Für das Projekt wird Geld aus verschiedenen Töpfen bereitgestellt. Wir erhalten Gelder aus Innovationsmitteln aus dem landeskirchlichen Haushalt sowie aus dem Bundeshaushalt. Der Freundeskreis der Evangelischen Akademie sowie das EKJB unterstützen das Projekt. Dadurch können wir die Veranstaltungen zu sehr günstigen Preisen anbieten.

 

Das Interview wurde erstmals in ekiba intern 6/2016 veröffentlicht, die Fragen stellte Christine Jacob